Einfach erklärt
Das Konto 0881 Kapital (variabler Anteil, nur Einzelunternehmen) gehört zum Eigenkapital eines Einzelunternehmens.
Der Zusatz „variabler Anteil“ bedeutet, dass sich dieser Teil des Kapitals im Laufe der Zeit verändern kann. Das passiert insbesondere durch:
- Gewinne des Unternehmens
- Verluste des Unternehmens
- Privateinlagen des Unternehmers
- Privatentnahmen des Unternehmers
Das Konto zeigt also nicht einfach, wie viel Geld auf dem Geschäftskonto liegt. Es bildet einen Teil des buchhalterischen Eigenkapitals des Unternehmers ab.
0881 ist ein passives Bestandskonto beziehungsweise Eigenkapitalkonto.
Soll oder Haben?
Da Eigenkapital auf der Passivseite der Bilanz steht, gelten grundsätzlich die Regeln eines passiven Bestandskontos:
- Eigenkapital nimmt zu → Haben
- Eigenkapital nimmt ab → Soll
Merksatz
Gewinne und Einlagen erhöhen das Kapital. Verluste und Entnahmen vermindern das Kapital.
Warum heißt das Kapital „variabel“?
Das Eigenkapital eines Einzelunternehmers bleibt normalerweise nicht jedes Jahr gleich.
Angenommen, ein Unternehmer startet mit einem Kapital von 50.000,00 €. Im Laufe des Jahres erwirtschaftet das Unternehmen einen Gewinn von 20.000,00 €, der Unternehmer entnimmt aber gleichzeitig 8.000,00 € für private Zwecke.
Vereinfacht betrachtet verändert sich das Eigenkapital dadurch so:
50.000,00 € Anfangskapital + 20.000,00 € Gewinn − 8.000,00 € Privatentnahmen = 62.000,00 € Eigenkapital
Genau solche Veränderungen sind der Grund dafür, zwischen einem festen und einem variablen Kapitalanteil zu unterscheiden.
Unterschied zwischen festem und variablem Kapital
Im SKR03 gibt es für Einzelunternehmen unter anderem:
- 0871 Kapital (fester Anteil, nur Einzelunternehmen)
- 0881 Kapital (variabler Anteil, nur Einzelunternehmen)
Der feste Kapitalanteil ist für einen Kapitalbestand vorgesehen, der getrennt vom laufend veränderlichen Kapital geführt wird.
Der variable Kapitalanteil bildet dagegen die Veränderungen des Eigenkapitals ab, die sich beispielsweise aus Gewinnen, Verlusten sowie privaten Einlagen und Entnahmen ergeben.
Vereinfacht gesagt
0871 = der feste Teil 0881 = der Teil, der sich verändert
Praxisbeispiel 1: Privatentnahme vom Geschäftskonto
Der Einzelunternehmer überweist 2.000,00 € vom betrieblichen Bankkonto auf sein privates Konto.
Das ist keine Betriebsausgabe. Der Unternehmer entnimmt lediglich eigenes Vermögen aus dem Betrieb.
Für Einzelunternehmen steht dafür beispielsweise 1801 Privatentnahmen allgemein (nur Einzelunternehmen) zur Verfügung.
Buchungssatz
1801 Privatentnahmen allgemein 2.000,00 € an 1200 Bank 2.000,00 €
Das betriebliche Bankguthaben sinkt. Gleichzeitig wird die Privatentnahme erfasst.
Eine Privatentnahme ist kein Aufwand
Das ist einer der wichtigsten Punkte beim Eigenkapital eines Einzelunternehmens.
Nimmt der Unternehmer Geld für private Zwecke aus dem Unternehmen, entsteht dadurch kein betrieblicher Aufwand.
Der Gewinn des Unternehmens wird durch die reine Geldentnahme nicht geringer.
Stattdessen vermindert die Entnahme das Eigenkapital des Unternehmers.
Merksatz
Privatentnahme ≠ Aufwand
Der Unternehmer kann nicht dadurch seinen Unternehmensgewinn reduzieren, dass er einfach mehr Geld vom Geschäftskonto auf sein Privatkonto überweist.
Abschluss der Privatentnahmen
Während des Jahres werden Privatentnahmen auf entsprechenden Privatkonten gesammelt.
Beim Abschluss werden diese Privatkonten dem Eigenkapital zugerechnet. Vereinfacht kann der Abschluss einer allgemeinen Privatentnahme gegen den variablen Kapitalanteil so dargestellt werden:
Buchungssatz
0881 Kapital (variabler Anteil) 2.000,00 € an 1801 Privatentnahmen allgemein 2.000,00 €
Dadurch wird sichtbar, dass die Privatentnahme das Eigenkapital vermindert.
Praxisbeispiel 2: Privateinlage auf das Geschäftskonto
Der Unternehmer überweist 5.000,00 € von seinem privaten Konto auf das Geschäftskonto seines Unternehmens.
Das Bankguthaben des Unternehmens steigt. Das Geld stammt jedoch nicht aus einem Verkauf oder einer betrieblichen Leistung, sondern aus dem Privatvermögen des Unternehmers.
Für Einzelunternehmen steht dafür beispielsweise 1891 Privateinlagen (nur Einzelunternehmen) zur Verfügung.
Buchungssatz
1200 Bank 5.000,00 € an 1891 Privateinlagen 5.000,00 €
Eine Privateinlage ist kein Ertrag
Auch hier gilt eine wichtige Abgrenzung:
Nur weil Geld auf dem Geschäftskonto eingeht, entsteht nicht automatisch ein Ertrag.
Der Unternehmer hat lediglich eigenes privates Vermögen in sein Unternehmen eingebracht.
Merksatz
Privateinlage ≠ Ertrag
Eine Privateinlage erhöht deshalb nicht den betrieblichen Gewinn.
Abschluss der Privateinlagen
Privateinlagen erhöhen das Eigenkapital des Unternehmers.
Vereinfacht kann der Abschluss des Privateinlagenkontos gegen das variable Kapital so dargestellt werden:
Buchungssatz
1891 Privateinlagen 5.000,00 € an 0881 Kapital (variabler Anteil) 5.000,00 €
Das Konto 0881 wird im Haben erhöht, weil das Eigenkapital durch die Einlage gestiegen ist.
Praxisbeispiel 3: Gewinn des Unternehmens
Ein Einzelunternehmen erzielt im Geschäftsjahr einen Gewinn von 30.000,00 €.
Dieser Gewinn gehört wirtschaftlich dem Einzelunternehmer und erhöht dessen Eigenkapital.
Vereinfacht gilt deshalb:
Jahresgewinn → Eigenkapital steigt
Der variable Kapitalanteil erhöht sich entsprechend.
Die konkrete technische Abschlussbuchung kann je nach eingesetztem Buchhaltungs- und Jahresabschlusssystem unterschiedlich dargestellt beziehungsweise automatisch erzeugt werden. Entscheidend für das Verständnis ist jedoch: Ein Gewinn erhöht das Eigenkapital.
Praxisbeispiel 4: Verlust des Unternehmens
Erwirtschaftet das Unternehmen dagegen einen Verlust von beispielsweise 10.000,00 €, vermindert dieser das Eigenkapital.
Vereinfacht gilt:
Jahresverlust → Eigenkapital sinkt
Auch hier bildet der variable Kapitalanteil die Veränderung des Eigenkapitals ab.
Gewinn und Privatentnahme sind nicht dasselbe
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, Gewinn und entnommenes Geld gleichzusetzen.
Beispiel
Ein Unternehmen erzielt einen Gewinn von 50.000,00 €.
Der Unternehmer entnimmt während des Jahres aber nur 20.000,00 €.
Der Gewinn beträgt trotzdem 50.000,00 €.
Die 20.000,00 € Privatentnahme bestimmen nicht die Höhe des Gewinns. Sie beeinflussen lediglich das Eigenkapital.
Umgekehrt kann ein Unternehmer auch mehr Geld entnehmen als der Betrieb im selben Jahr Gewinn erzielt hat. Dann wird vorhandenes Eigenkapital aufgezehrt.
Kapital ist nicht dasselbe wie Bankguthaben
Das Konto 0881 darf nicht mit 1200 Bank verwechselt werden.
Ein Unternehmen kann beispielsweise ein Eigenkapital von 100.000,00 € besitzen, obwohl nur 15.000,00 € auf dem Bankkonto liegen.
Das übrige Vermögen kann beispielsweise in Maschinen, Fahrzeugen, Warenbeständen oder Forderungen gebunden sein.
Eigenkapital ist deshalb keine Geldkasse, sondern eine rechnerische Größe innerhalb der Bilanz.
Vereinfacht gilt:
Eigenkapital = Vermögen − Schulden
Weitere Privatvorgänge
Neben allgemeinen Privatentnahmen und Privateinlagen enthält der SKR03 weitere Privatkonten für Einzelunternehmen.
Dazu gehören beispielsweise:
Diese Konten ermöglichen es, unterschiedliche private Vorgänge getrennt zu erfassen und beim Jahresabschluss bei der Entwicklung des Eigenkapitals zu berücksichtigen.
Beispiel: Private Rechnung wird vom Geschäftskonto bezahlt
Der Einzelunternehmer bezahlt eine ausschließlich private Rechnung über 500,00 € vom Geschäftskonto.
Die Zahlung darf nicht als betrieblicher Aufwand behandelt werden.
Buchungssatz
1801 Privatentnahmen allgemein 500,00 € an 1200 Bank 500,00 €
Auch wenn das Geld vom betrieblichen Bankkonto abgeflossen ist, liegt keine Betriebsausgabe vor.
Nur für Einzelunternehmen
Konto 0881 ist im SKR03 ausdrücklich für Einzelunternehmen vorgesehen.
Bei einer GmbH, UG oder AG wird das Eigenkapital anders strukturiert. Dort gibt es beispielsweise gezeichnetes Kapital, Kapitalrücklagen, Gewinnrücklagen oder Gewinn- und Verlustvorträge.
Auch für Personengesellschaften enthält der SKR03 eigene beziehungsweise anders verwendete Kapitalkonten. Das allgemeine Konto 0880 Variables Kapital ist daher nicht einfach mit dem speziell für Einzelunternehmen vorgesehenen Konto 0881 gleichzusetzen.
Kann das variable Kapital negativ werden?
Das Eigenkapital eines Einzelunternehmens kann sich durch hohe Verluste oder umfangreiche Privatentnahmen stark vermindern.
Übersteigen die Belastungen das vorhandene Eigenkapital, kann bilanziell auch ein negatives Eigenkapital entstehen.
Ein ungewöhnlicher oder negativer Saldo sollte deshalb nicht einfach als Buchungsfehler betrachtet werden. Er kann die tatsächliche wirtschaftliche Situation des Unternehmens widerspiegeln und muss entsprechend geprüft werden.
Kontoart und Abschluss
Kontonummer: 0881 Kontenart: Passives Bestandskonto / Eigenkapitalkonto Kontenklasse: 0 Bereich: Eigenkapital / Einzelunternehmen Normale Kontoseite: Haben Mehrungen des Eigenkapitals: Haben Minderungen des Eigenkapitals: Soll Abschluss: über das Schlussbilanzkonto Bilanz: Passivseite – Eigenkapital GuV: Konto 0881 selbst ist kein Aufwands- oder Ertragskonto
Typische Fehler
Privatentnahme als Aufwand buchen
Eine private Geldentnahme ist grundsätzlich kein betrieblicher Aufwand. Sie vermindert das Eigenkapital und wird über ein Privatkonto wie 1801 Privatentnahmen allgemein erfasst.
Privateinlage als Ertrag buchen
Überweist der Unternehmer privates Geld auf das Geschäftskonto, entsteht dadurch kein Umsatz und kein Gewinn. Die Einzahlung wird als 1891 Privateinlage erfasst.
Eigenkapital mit dem Bankkonto verwechseln
Das Eigenkapital zeigt nicht, wie viel Geld auf 1200 Bank vorhanden ist. Es ergibt sich aus der gesamten Vermögens- und Schuldensituation des Unternehmens.
0881 bei einer GmbH verwenden
Konto 0881 ist ausdrücklich für Einzelunternehmen vorgesehen. Kapitalgesellschaften besitzen eine andere Eigenkapitalstruktur.
Gewinn anhand der Entnahmen bestimmen
Wie viel der Unternehmer privat entnimmt, sagt nichts darüber aus, wie hoch der betriebliche Gewinn ist. Gewinn beziehungsweise Verlust wird durch Erträge und Aufwendungen bestimmt.
Verwandte Konten
- 0871 Kapital (fester Anteil, nur Einzelunternehmen) – fester Kapitalanteil des Einzelunternehmens
- 0880 Variables Kapital – variables Kapitalkonto für andere vorgesehene Anwendungsfälle im SKR03
- 1801 Privatentnahmen allgemein – allgemeine Privatentnahmen eines Einzelunternehmers
- 1811 Privatsteuern – privat veranlasste Steuerzahlungen
- 1881 Unentgeltliche Wertabgaben – bestimmte private Entnahmen von Gegenständen oder Leistungen
- 1891 Privateinlagen – Einlagen aus dem Privatvermögen des Einzelunternehmers
- 1200 Bank – betriebliches Bankguthaben
Kurz zusammengefasst
Das Konto 0881 Kapital (variabler Anteil, nur Einzelunternehmen) bildet den veränderlichen Teil des Eigenkapitals eines Einzelunternehmens ab. Gewinne und Privateinlagen erhöhen das Eigenkapital, Verluste und Privatentnahmen vermindern es. Privatentnahmen sind dabei kein Aufwand und Privateinlagen kein Ertrag. Das Konto gehört zur Passivseite der Bilanz und ist ausschließlich für Einzelunternehmen vorgesehen.