KontenCampus

SKR03 · KONTO 1510

Geleistete Anzahlungen auf Vorräte

Das Konto 1510 Geleistete Anzahlungen auf Vorräte erfasst Vorauszahlungen an Lieferanten für Vorräte, die das Unternehmen noch nicht erhalten hat. Wirtschaftlich besitzt das Unternehmen nach der Zahlung einen Anspruch auf die spätere Lieferung beziehungsweise gegebenenfalls Rückzahlung. Bilanzrechtlich werden solche Anzahlungen jedoch nicht unter den Forderungen, sondern innerhalb des Umlaufvermögens unter den Vorräten als geleistete Anzahlungen ausgewiesen. 1510 ist ein Aktivkonto mit normaler Sollseite. Für Anzahlungen mit abziehbarer Vorsteuer stehen im SKR03 unter anderem die speziellen Konten 1511 für 7 % Vorsteuer und 1518 für 19 % Vorsteuer zur Verfügung.

Das Konto auf einen Blick

Kontoart
Aktivkonto
Kategorie
Umlaufvermögen
Normale Seite
Soll
Abschluss
SBK
Bilanz
Aktivseite · Vorräte · Geleistete Anzahlungen
GuV
Nicht in der GuV

Einfach erklärt

Das Konto 1510 Geleistete Anzahlungen auf Vorräte wird verwendet, wenn ein Unternehmen einem Lieferanten bereits Geld bezahlt, obwohl die bestellten Vorräte noch nicht geliefert wurden.

Das können beispielsweise sein:

  • Handelswaren
  • Rohstoffe
  • Hilfsstoffe
  • Betriebsstoffe
  • andere zur Vorratshaltung bestimmte Gegenstände

Das Unternehmen hat also schon bezahlt, besitzt die Ware aber noch nicht.

Deshalb darf der Betrag noch nicht einfach als Wareneingang oder Verbrauch behandelt werden.

Stattdessen entsteht zunächst ein Vermögenswert in Form der geleisteten Anzahlung.

Merksatz

Geld an Lieferanten gezahlt, Vorräte noch nicht erhalten = geleistete Anzahlung auf Vorräte.

Soll oder Haben?

1510 ist ein Aktivkonto.

Die normale Kontoseite ist deshalb:

Soll

Grundsätzlich gilt:

  • Anzahlung an Lieferanten geleistet → Soll
  • Anzahlung mit späterer Lieferung verrechnet → Haben
  • Anzahlung zurückgezahlt → Haben

Merksatz

Anzahlung geleistet = 1510 im Soll. Lieferung, Verrechnung oder Rückzahlung = 1510 im Haben.

Praxisbeispiel 1: Vorauszahlung für Waren

Ein Händler bestellt Waren im Wert von:

20.000,00 € netto

Der Lieferant verlangt vor der Lieferung eine Anzahlung von:

5.000,00 €

Die Ware wurde noch nicht geliefert.

Vereinfacht wird zunächst gebucht:

1510 Geleistete Anzahlungen auf Vorräte an 1200 Bank

Das Unternehmen hat dadurch noch keinen Wareneingang.

Es besitzt vielmehr einen Anspruch darauf, dass der Lieferant später die vereinbarten Waren liefert oder die Zahlung gegebenenfalls zurückerstattet.

Merksatz

Vor Lieferung gezahltes Geld ist noch kein Wareneingang.

Warum ist 1510 ein Aktivkonto?

Durch die Zahlung verschwindet zwar Geld vom Bankkonto, dafür entsteht ein anderer Vermögenswert.

Vor der Zahlung

Bankguthaben:

10.000,00 €

Nach einer Anzahlung von 4.000,00 €

Bank:

6.000,00 €

Geleistete Anzahlung:

4.000,00 €

Gesamtvermögen aus diesen beiden Positionen:

weiterhin:

10.000,00 €

Es wurde lediglich ein Vermögenswert gegen einen anderen getauscht.

Merksatz

Bank wird weniger, Anzahlungsanspruch wird mehr.

Geleistete Anzahlungen gehören bilanziell zu den Vorräten

Obwohl wirtschaftlich ein Anspruch gegen den Lieferanten besteht, werden geleistete Anzahlungen auf Vorräte nach der handelsrechtlichen Bilanzgliederung nicht unter den normalen Forderungen ausgewiesen.

Sie gehören zum:

Umlaufvermögen → Vorräte → Geleistete Anzahlungen

Das ist wichtig für die Kontenzuordnung.

Merksatz

1510 ist wirtschaftlich ein Anspruch, bilanziell aber Bestandteil der Vorräte – nicht der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen.

1510 oder 1400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen?

1400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen betrifft normalerweise Ansprüche gegen Kunden aus bereits erbrachten Lieferungen oder Leistungen.

1510 betrifft dagegen eine Vorauszahlung an einen Lieferanten für noch nicht erhaltene Vorräte.

1400

Wir haben geliefert und der Kunde schuldet uns Geld.

1510

Wir haben bereits bezahlt und der Lieferant schuldet uns noch die Ware beziehungsweise die Vertragserfüllung.

Merksatz

Kunde schuldet uns Geld = Forderung. Wir haben Lieferanten vorausbezahlt = geleistete Anzahlung.

Noch kein Wareneingang

Solange die Ware noch nicht geliefert wurde, gehört die Zahlung nicht einfach auf ein normales Wareneingangskonto wie:

3200 Wareneingang

Beispiel

Anzahlung:

10.000,00 €

Ware kommt erst zwei Monate später.

Würde sofort 3200 Wareneingang gebucht, sähe es so aus, als hätte das Unternehmen bereits Waren bezogen.

Das wäre wirtschaftlich falsch.

Merksatz

1510 überbrückt die Zeit zwischen Zahlung und Lieferung.

Praxisbeispiel 2: Ware wird später geliefert

Ein Unternehmen hat zuvor eine Anzahlung von:

5.000,00 €

geleistet.

Später liefert der Lieferant die Waren und erstellt die endgültige Rechnung.

Gesamter Warenwert:

20.000,00 € netto

Die bereits geleistete Anzahlung wird nun mit der Lieferantenrechnung verrechnet.

Dadurch wird 1510 wieder vermindert.

Grundlogik

Bei Leistungserhalt wird der gesamte Wareneinkauf auf dem passenden Wareneingangs- beziehungsweise Vorratskonto erfasst.

Die bereits geleistete Anzahlung wird anschließend gegen die Lieferantenverbindlichkeit beziehungsweise den Rechnungsbetrag verrechnet.

Merksatz

Erst Lieferung → Wareneingang. Bereits geleistete Anzahlung wird anschließend verrechnet.

Umsatzsteuer bei geleisteten Anzahlungen

Bei einer steuerpflichtigen Anzahlung kann bereits vor der eigentlichen Lieferung ein Vorsteuerabzug möglich sein.

Dafür müssen insbesondere die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sein.

Für eine Zahlung vor Ausführung der Lieferung oder Leistung gilt grundsätzlich:

  • eine ordnungsgemäße Rechnung über die Anzahlung muss vorliegen
  • die Zahlung muss tatsächlich geleistet worden sein
  • der Unternehmer muss grundsätzlich zum Vorsteuerabzug berechtigt sein

Merksatz

Anzahlungsrechnung allein reicht nicht – für den Vorsteuerabzug muss auch tatsächlich gezahlt worden sein.

Praxisbeispiel 3: Anzahlung mit 19 % Vorsteuer

Ein Lieferant verlangt eine Anzahlung von:

10.000,00 € netto

19 % Umsatzsteuer:

1.900,00 €

Bruttozahlung:

11.900,00 €

Eine ordnungsgemäße Anzahlungsrechnung liegt vor und die Zahlung wurde geleistet.

Dann kann grundsätzlich entstehen:

Geleistete Anzahlung 10.000,00 € Abziehbare Vorsteuer 1.900,00 € an 1200 Bank 11.900,00 €

Im SKR03 steht für solche Anzahlungen mit 19 % Vorsteuer das spezielle Konto:

1518 Geleistete Anzahlungen 19 % Vorsteuer

zur Verfügung.

Merksatz

19-%-Anzahlung mit Vorsteuer = 1518 prüfen.

1510 oder 1518 Geleistete Anzahlungen 19 % Vorsteuer?

1510 ist das allgemeine Konto:

Geleistete Anzahlungen auf Vorräte

1518 besitzt dagegen bereits die spezielle steuerliche Zuordnung:

Geleistete Anzahlungen 19 % Vorsteuer

Bei einer normalen inländischen Anzahlung mit 19 % Vorsteuer ist daher 1518 das speziellere Konto.

Merksatz

Allgemeine Anzahlung auf Vorräte = 1510. Anzahlung mit 19-%-Vorsteuerautomatik = 1518.

1510 oder 1511 Geleistete Anzahlungen 7 % Vorsteuer?

Für Anzahlungen, die einem Umsatz mit 7 % Vorsteuer zuzuordnen sind, steht im SKR03:

1511 Geleistete Anzahlungen 7 % Vorsteuer

zur Verfügung.

Beispiel

Nettoanzahlung:

5.000,00 €

7 % Umsatzsteuer:

350,00 €

Bruttozahlung:

5.350,00 €

Bei erfüllten Voraussetzungen kann die Vorsteuer von 350,00 € bereits mit Zahlung der Anzahlung abziehbar sein.

Merksatz

Steuersatz des zugrunde liegenden Einkaufs beachten: 7 % → 1511, 19 % → 1518.

Noch keine Anzahlungsrechnung erhalten

Hat das Unternehmen zwar bereits gezahlt, besitzt aber noch keine Rechnung, die zum Vorsteuerabzug berechtigt, darf nicht einfach Vorsteuer gebucht werden.

Beispiel

Überweisung an Lieferanten:

11.900,00 €

Keine ordnungsgemäße Anzahlungsrechnung vorhanden.

Dann ist der Vorsteuerabzug allein aufgrund der Bankzahlung noch nicht zulässig.

Die konkrete Buchung hängt vom eingesetzten Buchhaltungssystem und der späteren Rechnungsbearbeitung ab.

Merksatz

Geld bezahlt ≠ automatisch Vorsteuer abziehbar. Rechnung und Zahlung müssen zusammenpassen.

Rechnung vorhanden, aber noch nicht bezahlt

Auch der umgekehrte Fall ist wichtig.

Der Lieferant stellt eine Anzahlungsrechnung über:

11.900,00 €

Das Unternehmen hat sie noch nicht bezahlt.

Bei einer Zahlung vor Leistungsausführung ist die darin ausgewiesene Vorsteuer grundsätzlich erst abziehbar, wenn die Zahlung tatsächlich geleistet wurde.

Merksatz

Bei Anzahlungen braucht es für den Vorsteuerabzug Rechnung UND Zahlung.

Warum gelten bei Anzahlungen besondere Vorsteuerregeln?

Normalerweise setzt der Vorsteuerabzug voraus, dass eine Lieferung oder Leistung für das Unternehmen ausgeführt wurde und eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegt.

Bei Anzahlungen ist die Leistung gerade noch nicht ausgeführt.

Deshalb enthält das Umsatzsteuerrecht eine besondere Regel: Der gesondert ausgewiesene Steuerbetrag auf eine Vorauszahlung kann bereits abgezogen werden, wenn die Rechnung vorliegt und die Zahlung geleistet wurde.

Merksatz

Anzahlung ist die gesetzliche Ausnahme: Vorsteuer kann schon vor der Lieferung entstehen.

1510 oder geleistete Anzahlung auf Anlagevermögen?

1510 ist nur für Anzahlungen auf Vorräte bestimmt.

Kauft ein Unternehmen dagegen beispielsweise eine Maschine und leistet darauf eine Vorauszahlung, gehört diese nicht auf 1510.

Beispiel

Anzahlung auf eine Produktionsmaschine:

→ entsprechendes Anzahlungs- beziehungsweise Anlagenkonto, beispielsweise 0299 Anzahlungen auf technische Anlagen und Maschinen prüfen

Anzahlung auf Handelswaren:

→ 1510 beziehungsweise bei entsprechender Vorsteuer 1511 oder 1518

Merksatz

Was soll später geliefert werden? Vorrat oder Anlagevermögen? Danach richtet sich das Anzahlungs-konto.

Was sind Vorräte?

Vorräte können unterschiedliche Vermögensgegenstände umfassen.

Dazu gehören handelsrechtlich insbesondere:

  • Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
  • unfertige Erzeugnisse
  • unfertige Leistungen
  • fertige Erzeugnisse
  • Waren
  • geleistete Anzahlungen auf entsprechende Vorräte

1510 bildet dabei den letzten Bereich ab: Geld wurde bereits gezahlt, die Vorräte sind aber noch nicht geliefert beziehungsweise hergestellt worden.

Handelswaren

Ein Einzel- oder Großhändler bestellt Ware zum Weiterverkauf.

Der Lieferant verlangt 30 % Vorkasse.

Solange die Ware noch nicht geliefert wurde, liegt eine geleistete Anzahlung auf Vorräte vor.

Nach Lieferung wird die Anzahlung mit dem tatsächlichen Wareneinkauf verrechnet.

Merksatz

Vorkasse beim Wareneinkauf ist ein klassischer 1510-Fall.

Rohstoffe

Auch Vorauszahlungen auf Rohstoffe können 1510 betreffen.

Beispiel

Ein Produktionsunternehmen bestellt Stahl für:

100.000,00 €

und zahlt:

25.000,00 €

vorab.

Solange der Stahl noch nicht geliefert wurde, liegt eine geleistete Anzahlung auf Vorräte vor.

Hilfs- und Betriebsstoffe

Dasselbe Prinzip gilt für Vorauszahlungen auf Hilfs- oder Betriebsstoffe, sofern diese bilanziell dem Vorratsvermögen zuzuordnen sind.

Entscheidend ist also nicht nur, dass etwas gekauft wird, sondern welcher Vermögensart der spätere Gegenstand angehört.

Vorauszahlung für eine Dienstleistung ist nicht automatisch 1510

1510 heißt ausdrücklich:

Geleistete Anzahlungen auf Vorräte

Eine Vorauszahlung für eine Dienstleistung gehört deshalb nicht allein deshalb auf 1510, weil sie vorab bezahlt wurde.

Beispiel

Vorauszahlung für eine Beratungsleistung:

→ kein Vorrat

Vorauszahlung für Handelsware:

→ 1510 beziehungsweise spezielles Anzahlungs-konto

Merksatz

1510 nur verwenden, wenn die spätere Gegenleistung dem Vorratsbereich zuzuordnen ist.

Anzahlung ist noch kein Aufwand

Eine geleistete Anzahlung führt zunächst nicht zu einem normalen Aufwand.

Beispiel

Anzahlung auf Waren:

20.000,00 €

Gewinnwirkung bei Zahlung:

0,00 €

Die Bank nimmt ab, dafür steigt der Anzahlungsanspruch.

Erst später wird der Wareneinkauf beziehungsweise Warenverbrauch nach den dafür geltenden Regeln erfolgswirksam berücksichtigt.

Merksatz

Anzahlung verändert das Vermögen, nicht sofort den Gewinn.

Praxisbeispiel 4: Anzahlung und spätere Schlussrechnung

Bestellwert netto:

50.000,00 €

19 % Umsatzsteuer:

9.500,00 €

Brutto:

59.500,00 €

Vor Lieferung zahlt das Unternehmen bereits:

23.800,00 € brutto

Darin enthalten:

20.000,00 € Anzahlung

3.800,00 € Vorsteuer

Nach Lieferung stellt der Lieferant die Endrechnung über den gesamten Auftrag.

Die bereits geleistete Anzahlung muss in der Endabrechnung berücksichtigt werden.

Noch zu zahlen:

59.500 − 23.800 =

35.700,00 €

Wichtig

Die bereits aus der Anzahlung berücksichtigte Vorsteuer darf bei der Schlussrechnung nicht nochmals doppelt als zusätzliche Vorsteuer geltend gemacht werden.

Merksatz

Schlussrechnung = Gesamtbezug erfassen und bereits gebuchte Anzahlung einschließlich Vorsteuer sauber verrechnen.

Schlussrechnung und Vorsteuer

Wurde über die Anzahlung bereits eine Rechnung mit gesondertem Steuerausweis erteilt und die Vorsteuer daraus abgezogen, muss die Endrechnung die vorausbezahlten Teilentgelte und die darauf entfallenden Steuerbeträge entsprechend berücksichtigen.

Dadurch wird verhindert, dass derselbe Steuerbetrag zweimal als Vorsteuer geltend gemacht wird.

Merksatz

Vorsteuer aus Anzahlung einmal – nicht bei der Schlussrechnung ein zweites Mal.

Anzahlung wird zurückgezahlt

Der Lieferant kann den Auftrag möglicherweise nicht erfüllen und erstattet die Anzahlung.

Beispiel

Geleistete Nettoanzahlung:

10.000,00 €

Der Auftrag wird storniert.

Der Lieferant überweist den Betrag zurück.

Dann wird die geleistete Anzahlung wieder ausgebucht.

Grundlogik

1200 Bank an 1510 beziehungsweise entsprechendes Anzahlungs-konto

Wurde zuvor Vorsteuer aus der Anzahlung geltend gemacht, muss auch diese bei einer vollständigen Rückabwicklung entsprechend korrigiert werden.

Merksatz

Anzahlung zurück = Anzahlungsanspruch verschwindet; Vorsteuer gegebenenfalls ebenfalls korrigieren.

Teilweise Rückzahlung

Auch eine Teilrückzahlung ist möglich.

Beispiel

Geleistete Anzahlung:

20.000,00 €

Lieferant erstattet:

5.000,00 €

Verbleibende Anzahlung:

15.000,00 €

Der Saldo auf dem Anzahlungs-konto muss danach nur noch den tatsächlich beim Lieferanten verbliebenen Betrag darstellen.

Lieferant wird insolvent

Ein besonders wichtiger Fall entsteht, wenn ein Unternehmen eine Anzahlung geleistet hat und der Lieferant anschließend insolvent wird.

Dann besteht möglicherweise das Risiko, dass weder die Ware geliefert noch die gesamte Anzahlung zurückgezahlt wird.

Die geleistete Anzahlung muss dann auf ihre Werthaltigkeit geprüft werden.

Beispiel

Anzahlung:

50.000,00 €

Lieferant wird insolvent.

Voraussichtliche Rückzahlung aus der Insolvenz:

nur:

10.000,00 €

Dann besteht ein erhebliches Ausfallrisiko von:

40.000,00 €

Eine entsprechende Wertberichtigung beziehungsweise Abschreibung ist zu prüfen.

Merksatz

Auch geleistete Anzahlungen können ausfallen.

Insolvenz des Lieferanten bedeutet nicht automatisch sofort 100 % Verlust

Es kann noch bestehen:

  • Anspruch auf Lieferung
  • Rückzahlungsanspruch
  • Insolvenzquote
  • Sicherheit
  • Versicherungsschutz

Deshalb sollte zunächst geprüft werden, welcher Betrag tatsächlich noch werthaltig ist.

Merksatz

Problem beim Lieferanten = Anzahlung bewerten, nicht blind vollständig abschreiben.

1510 und Lieferantenverbindlichkeiten

Eine normale Lieferantenverbindlichkeit entsteht, wenn der Lieferant bereits geliefert beziehungsweise eine entsprechende Leistung erbracht hat und das Unternehmen noch zahlen muss.

Dafür wird beispielsweise verwendet:

1600 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

1510 beschreibt genau die umgekehrte zeitliche Situation:

Das Unternehmen hat bereits gezahlt, der Lieferant muss noch liefern.

Merksatz

1600 = Lieferant hat geliefert, wir müssen zahlen. 1510 = wir haben gezahlt, Lieferant muss noch liefern.

Anzahlung über Kreditorenkonto

In einer Kreditorenbuchhaltung kann eine Vorauszahlung zunächst über das individuelle Lieferantenkonto abgewickelt werden.

Damit eine geleistete Anzahlung in der Bilanz trotzdem korrekt ausgewiesen wird, kann eine entsprechende Verrechnung beziehungsweise Umbuchung erforderlich sein.

DATEV stellt hierfür auch spezielle Verrechnungskonten für geleistete Anzahlungen bei Buchung über Kreditorenkonten bereit.

Merksatz

Kreditoren-OPOS und Bilanzausweis der Anzahlung müssen am Ende zusammenpassen.

OPOS-Liste

Eine Vorauszahlung an einen Lieferanten kann in der Kreditorenbuchhaltung als Guthaben beziehungsweise offener Anzahlungsbetrag sichtbar sein.

Bei Eingang der endgültigen Rechnung muss die Anzahlung mit dem richtigen Lieferanten und der richtigen Rechnung verrechnet werden.

Wichtig

Nach vollständiger Verrechnung sollte kein alter Anzahlungs-OPOS ohne Grund stehen bleiben.

Merksatz

Anzahlung und Schlussrechnung müssen auch beim Kreditor zusammengeführt werden.

Anzahlung ist keine Rechnungsabgrenzung

Eine geleistete Anzahlung darf nicht automatisch mit einer aktiven Rechnungsabgrenzung verwechselt werden.

0980 Aktive Rechnungsabgrenzung

Zahlung wurde geleistet, der Aufwand gehört zeitlich in eine spätere Periode.

1510

Zahlung wurde für noch nicht gelieferte Vorräte geleistet.

Hier fehlt also noch die eigentliche Lieferung beziehungsweise der Vermögensgegenstand.

Merksatz

ARA = zeitliche Abgrenzung eines Aufwands. 1510 = Vorauszahlung auf noch nicht erhaltene Vorräte.

Anzahlungsrechnung allein erzeugt noch keine geleistete Anzahlung

Ein Lieferant kann eine Anzahlungsrechnung über:

11.900,00 €

stellen.

Solange das Unternehmen noch nicht gezahlt hat, ist noch keine geleistete Anzahlung vorhanden.

Die Zahlung ist entscheidend.

Merksatz

Rechnung erhalten ist nicht dasselbe wie Anzahlung geleistet.

1510 am Jahresende

Wurde eine Anzahlung im Dezember geleistet und die Ware kommt erst im nächsten Jahr, bleibt die Anzahlung zum Bilanzstichtag auf der Aktivseite bestehen.

Beispiel

Anzahlung:

30.000,00 €

Zahlung:

15.12.2026

Lieferung:

20.01.2027

Am 31.12.2026 besteht weiterhin eine geleistete Anzahlung von:

30.000,00 €

Sie wird im Umlaufvermögen innerhalb der Vorräte ausgewiesen.

Merksatz

Noch keine Lieferung am 31.12. = Anzahlung bleibt als Aktivposten stehen.

Warum wird 1510 über das SBK abgeschlossen?

1510 ist ein Bestandskonto.

Der Anspruch gegen den Lieferanten besteht über den Jahreswechsel hinweg weiter.

Deshalb wird der Saldo über das Schlussbilanzkonto (SBK) abgeschlossen und im Folgejahr als Anfangsbestand weitergeführt.

Merksatz

Offene Anzahlung verschwindet nicht durch den Jahreswechsel.

Was zeigt der Saldo des Kontos?

Der typische Sollsaldo von 1510 zeigt die zum Stichtag noch nicht durch Lieferung, Verrechnung oder Rückzahlung abgewickelten Anzahlungen auf Vorräte.

Beispiel

Anzahlung Lieferant A:

20.000,00 €

Anzahlung Lieferant B:

15.000,00 €

Anzahlung Lieferant C:

5.000,00 €

Saldo 1510:

20.000 + 15.000 + 5.000 =

40.000,00 € Soll

Das Unternehmen besitzt damit noch Anzahlungsansprüche in Höhe von 40.000,00 €.

Merksatz

Sollsaldo 1510 = Geld bereits gezahlt, Vorräte beziehungsweise Rückzahlung noch ausstehend.

Warum wäre ein Habensaldo auffällig?

1510 ist ein Aktivkonto mit normaler Sollseite.

Ein Habensaldo sollte deshalb geprüft werden.

Mögliche Ursachen:

  • Anzahlung wurde doppelt verrechnet
  • Rückzahlung wurde gebucht, ursprüngliche Anzahlung fehlt
  • Schlussrechnung wurde falsch verrechnet
  • Soll und Haben wurden vertauscht
  • falsches Anzahlungs-konto wurde verwendet

Merksatz

1510 sollte normalerweise einen Sollsaldo oder null besitzen.

Abstimmung zum Jahresabschluss

Zum Bilanzstichtag sollte für jede geleistete Anzahlung geprüft werden:

  • Welcher Lieferant hat das Geld erhalten?
  • Welche Bestellung gehört dazu?
  • Wurde die Ware inzwischen geliefert?
  • Liegt bereits eine Schlussrechnung vor?
  • Wurde die Anzahlung korrekt verrechnet?
  • Ist die Vorsteuer richtig behandelt worden?
  • Ist der Lieferant noch leistungsfähig?
  • Besteht gegebenenfalls ein Ausfallrisiko?
  • Sind alte Anzahlungen noch nachvollziehbar?

Merksatz

Jeder Saldo auf 1510 sollte zu einer konkreten noch offenen Beschaffung gehören.

Alte Salden sind ein Warnsignal

Bleibt eine Anzahlung über lange Zeit unverändert auf 1510 stehen, sollte geprüft werden, warum.

Mögliche Ursachen:

  • Ware wurde längst geliefert
  • Schlussrechnung wurde nicht verrechnet
  • Rückzahlung wurde nicht gebucht
  • Lieferant kann nicht mehr liefern
  • alter Kreditorenposten wurde vergessen
  • falsche Kontierung

Merksatz

1510 ist kein Parkplatz für vergessene Lieferantenguthaben.

Was wird typischerweise auf Konto 1510 gebucht?

Typischerweise werden auf 1510 erfasst:

  • Vorauszahlungen auf Handelswaren
  • Vorauszahlungen auf Rohstoffe
  • Vorauszahlungen auf Hilfsstoffe
  • Vorauszahlungen auf Betriebsstoffe
  • andere Anzahlungen auf Vorräte
  • Verrechnungen mit späteren Lieferungen
  • Rückzahlungen geleisteter Anzahlungen
  • Umbuchungen und Korrekturen entsprechender Anzahlungen

Was gehört typischerweise nicht auf Konto 1510?

Nicht beziehungsweise nicht automatisch auf 1510 gehören:

Kontoart und Abschluss

Kontonummer: 1510 Kontenbezeichnung: Geleistete Anzahlungen auf Vorräte Kontenart: Aktivkonto Kontenklasse: 1 Kategorie: Warenbestand / Umlaufvermögen Bereich: Vorräte · Geleistete Anzahlungen Normale Kontoseite: Soll Zugang/Anzahlung: Soll Verrechnung/Rückzahlung: Haben Abschluss: SBK Bilanz: Aktivseite · Umlaufvermögen · Vorräte · Geleistete Anzahlungen GuV: Nicht direkt in der GuV

Typische Fehler

1510 als Forderungskategorie einordnen

Wirtschaftlich besteht zwar ein Anspruch gegen den Lieferanten, handelsrechtlich wird die geleistete Anzahlung auf Vorräte jedoch unter den Vorräten ausgewiesen.

Anzahlung sofort als Wareneingang buchen

Solange die Ware noch nicht geliefert wurde, liegt noch kein normaler Wareneingang vor.

Anzahlung sofort als Aufwand behandeln

1510 ist ein Aktivkonto und beeinflusst die GuV zunächst nicht direkt.

Vorsteuer nur aufgrund der Zahlung abziehen

Für den Vorsteuerabzug aus einer Vorauszahlung muss grundsätzlich auch eine entsprechende Rechnung vorliegen.

Vorsteuer nur aufgrund der Anzahlungsrechnung abziehen

Bei Vorauszahlungen muss zusätzlich die Zahlung tatsächlich geleistet worden sein.

Falschen Steuersatz verwenden

Für 7-%- und 19-%-Anzahlungen stehen unterschiedliche Konten zur Verfügung.

Schlussrechnung und Anzahlung nicht verrechnen

Dann bleibt die geleistete Anzahlung fälschlich dauerhaft in der Bilanz stehen.

Vorsteuer bei der Schlussrechnung doppelt buchen

Bereits aus der Anzahlung abgezogene Vorsteuer darf nicht ein zweites Mal berücksichtigt werden.

Anlagevermögen auf 1510 buchen

1510 ist ausschließlich für Anzahlungen auf Vorräte vorgesehen.

Dienstleistungsvorauszahlung ungeprüft auf 1510 buchen

Entscheidend ist, ob die spätere Gegenleistung tatsächlich zum Vorratsvermögen gehört.

Alte Salden nicht kontrollieren

Jede offene Anzahlung sollte einem Lieferanten und einer Bestellung zugeordnet werden können.

Verwandte Konten

Kurz zusammengefasst

Das Konto 1510 Geleistete Anzahlungen auf Vorräte erfasst Zahlungen an Lieferanten für Vorräte, die noch nicht geliefert wurden. Es handelt sich um ein Aktivkonto und die Anzahlung wird handelsrechtlich innerhalb des Umlaufvermögens unter den Vorräten ausgewiesen. Die reine Zahlung verursacht noch keinen Wareneingang und keinen Aufwand. Bei steuerpflichtigen Anzahlungen kann bereits vor der Lieferung ein Vorsteuerabzug möglich sein, wenn eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegt und die Zahlung tatsächlich geleistet wurde. Für 7-%- beziehungsweise 19-%-Anzahlungen stehen mit 1511 Geleistete Anzahlungen 7 % Vorsteuer und 1518 Geleistete Anzahlungen 19 % Vorsteuer speziellere SKR03-Konten zur Verfügung. Nach Lieferung muss die Anzahlung mit der endgültigen Rechnung verrechnet werden.

Kurzform: Lieferant bekommt Geld vor Lieferung der Vorräte = 1510 im Soll. Bilanziell Vorräte, nicht Forderungen. 7 % Vorsteuer = 1511, 19 % Vorsteuer = 1518. Lieferung später = Anzahlung verrechnen.

QUELLEN & STAND

Fachliche Grundlagen

Zuletzt aktualisiert:

Die Quellen bilden die fachliche Grundlage des Artikels. Die Darstellung ist didaktisch vereinfacht und ersetzt keine steuerliche Beratung im Einzelfall.