Einfach erklärt
Das Konto 1510 Geleistete Anzahlungen auf Vorräte wird verwendet, wenn ein Unternehmen einem Lieferanten bereits Geld bezahlt, obwohl die bestellten Vorräte noch nicht geliefert wurden.
Das können beispielsweise sein:
- Handelswaren
- Rohstoffe
- Hilfsstoffe
- Betriebsstoffe
- andere zur Vorratshaltung bestimmte Gegenstände
Das Unternehmen hat also schon bezahlt, besitzt die Ware aber noch nicht.
Deshalb darf der Betrag noch nicht einfach als Wareneingang oder Verbrauch behandelt werden.
Stattdessen entsteht zunächst ein Vermögenswert in Form der geleisteten Anzahlung.
Merksatz
Geld an Lieferanten gezahlt, Vorräte noch nicht erhalten = geleistete Anzahlung auf Vorräte.
Soll oder Haben?
1510 ist ein Aktivkonto.
Die normale Kontoseite ist deshalb:
Soll
Grundsätzlich gilt:
- Anzahlung an Lieferanten geleistet → Soll
- Anzahlung mit späterer Lieferung verrechnet → Haben
- Anzahlung zurückgezahlt → Haben
Merksatz
Anzahlung geleistet = 1510 im Soll. Lieferung, Verrechnung oder Rückzahlung = 1510 im Haben.
Praxisbeispiel 1: Vorauszahlung für Waren
Ein Händler bestellt Waren im Wert von:
20.000,00 € netto
Der Lieferant verlangt vor der Lieferung eine Anzahlung von:
5.000,00 €
Die Ware wurde noch nicht geliefert.
Vereinfacht wird zunächst gebucht:
1510 Geleistete Anzahlungen auf Vorräte an 1200 Bank
Das Unternehmen hat dadurch noch keinen Wareneingang.
Es besitzt vielmehr einen Anspruch darauf, dass der Lieferant später die vereinbarten Waren liefert oder die Zahlung gegebenenfalls zurückerstattet.
Merksatz
Vor Lieferung gezahltes Geld ist noch kein Wareneingang.
Warum ist 1510 ein Aktivkonto?
Durch die Zahlung verschwindet zwar Geld vom Bankkonto, dafür entsteht ein anderer Vermögenswert.
Vor der Zahlung
Bankguthaben:
10.000,00 €
Nach einer Anzahlung von 4.000,00 €
Bank:
6.000,00 €
Geleistete Anzahlung:
4.000,00 €
Gesamtvermögen aus diesen beiden Positionen:
weiterhin:
10.000,00 €
Es wurde lediglich ein Vermögenswert gegen einen anderen getauscht.
Merksatz
Bank wird weniger, Anzahlungsanspruch wird mehr.
Geleistete Anzahlungen gehören bilanziell zu den Vorräten
Obwohl wirtschaftlich ein Anspruch gegen den Lieferanten besteht, werden geleistete Anzahlungen auf Vorräte nach der handelsrechtlichen Bilanzgliederung nicht unter den normalen Forderungen ausgewiesen.
Sie gehören zum:
Umlaufvermögen → Vorräte → Geleistete Anzahlungen
Das ist wichtig für die Kontenzuordnung.
Merksatz
1510 ist wirtschaftlich ein Anspruch, bilanziell aber Bestandteil der Vorräte – nicht der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen.
1510 oder 1400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen?
1400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen betrifft normalerweise Ansprüche gegen Kunden aus bereits erbrachten Lieferungen oder Leistungen.
1510 betrifft dagegen eine Vorauszahlung an einen Lieferanten für noch nicht erhaltene Vorräte.
1400
Wir haben geliefert und der Kunde schuldet uns Geld.
1510
Wir haben bereits bezahlt und der Lieferant schuldet uns noch die Ware beziehungsweise die Vertragserfüllung.
Merksatz
Kunde schuldet uns Geld = Forderung. Wir haben Lieferanten vorausbezahlt = geleistete Anzahlung.
Noch kein Wareneingang
Solange die Ware noch nicht geliefert wurde, gehört die Zahlung nicht einfach auf ein normales Wareneingangskonto wie:
Beispiel
Anzahlung:
10.000,00 €
Ware kommt erst zwei Monate später.
Würde sofort 3200 Wareneingang gebucht, sähe es so aus, als hätte das Unternehmen bereits Waren bezogen.
Das wäre wirtschaftlich falsch.
Merksatz
1510 überbrückt die Zeit zwischen Zahlung und Lieferung.
Praxisbeispiel 2: Ware wird später geliefert
Ein Unternehmen hat zuvor eine Anzahlung von:
5.000,00 €
geleistet.
Später liefert der Lieferant die Waren und erstellt die endgültige Rechnung.
Gesamter Warenwert:
20.000,00 € netto
Die bereits geleistete Anzahlung wird nun mit der Lieferantenrechnung verrechnet.
Dadurch wird 1510 wieder vermindert.
Grundlogik
Bei Leistungserhalt wird der gesamte Wareneinkauf auf dem passenden Wareneingangs- beziehungsweise Vorratskonto erfasst.
Die bereits geleistete Anzahlung wird anschließend gegen die Lieferantenverbindlichkeit beziehungsweise den Rechnungsbetrag verrechnet.
Merksatz
Erst Lieferung → Wareneingang. Bereits geleistete Anzahlung wird anschließend verrechnet.
Umsatzsteuer bei geleisteten Anzahlungen
Bei einer steuerpflichtigen Anzahlung kann bereits vor der eigentlichen Lieferung ein Vorsteuerabzug möglich sein.
Dafür müssen insbesondere die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sein.
Für eine Zahlung vor Ausführung der Lieferung oder Leistung gilt grundsätzlich:
- eine ordnungsgemäße Rechnung über die Anzahlung muss vorliegen
- die Zahlung muss tatsächlich geleistet worden sein
- der Unternehmer muss grundsätzlich zum Vorsteuerabzug berechtigt sein
Merksatz
Anzahlungsrechnung allein reicht nicht – für den Vorsteuerabzug muss auch tatsächlich gezahlt worden sein.
Praxisbeispiel 3: Anzahlung mit 19 % Vorsteuer
Ein Lieferant verlangt eine Anzahlung von:
10.000,00 € netto
19 % Umsatzsteuer:
1.900,00 €
Bruttozahlung:
11.900,00 €
Eine ordnungsgemäße Anzahlungsrechnung liegt vor und die Zahlung wurde geleistet.
Dann kann grundsätzlich entstehen:
Geleistete Anzahlung 10.000,00 € Abziehbare Vorsteuer 1.900,00 € an 1200 Bank 11.900,00 €
Im SKR03 steht für solche Anzahlungen mit 19 % Vorsteuer das spezielle Konto:
1518 Geleistete Anzahlungen 19 % Vorsteuer
zur Verfügung.
Merksatz
19-%-Anzahlung mit Vorsteuer = 1518 prüfen.
1510 oder 1518 Geleistete Anzahlungen 19 % Vorsteuer?
1510 ist das allgemeine Konto:
Geleistete Anzahlungen auf Vorräte
1518 besitzt dagegen bereits die spezielle steuerliche Zuordnung:
Geleistete Anzahlungen 19 % Vorsteuer
Bei einer normalen inländischen Anzahlung mit 19 % Vorsteuer ist daher 1518 das speziellere Konto.
Merksatz
Allgemeine Anzahlung auf Vorräte = 1510. Anzahlung mit 19-%-Vorsteuerautomatik = 1518.
1510 oder 1511 Geleistete Anzahlungen 7 % Vorsteuer?
Für Anzahlungen, die einem Umsatz mit 7 % Vorsteuer zuzuordnen sind, steht im SKR03:
1511 Geleistete Anzahlungen 7 % Vorsteuer
zur Verfügung.
Beispiel
Nettoanzahlung:
5.000,00 €
7 % Umsatzsteuer:
350,00 €
Bruttozahlung:
5.350,00 €
Bei erfüllten Voraussetzungen kann die Vorsteuer von 350,00 € bereits mit Zahlung der Anzahlung abziehbar sein.
Merksatz
Steuersatz des zugrunde liegenden Einkaufs beachten: 7 % → 1511, 19 % → 1518.
Noch keine Anzahlungsrechnung erhalten
Hat das Unternehmen zwar bereits gezahlt, besitzt aber noch keine Rechnung, die zum Vorsteuerabzug berechtigt, darf nicht einfach Vorsteuer gebucht werden.
Beispiel
Überweisung an Lieferanten:
11.900,00 €
Keine ordnungsgemäße Anzahlungsrechnung vorhanden.
Dann ist der Vorsteuerabzug allein aufgrund der Bankzahlung noch nicht zulässig.
Die konkrete Buchung hängt vom eingesetzten Buchhaltungssystem und der späteren Rechnungsbearbeitung ab.
Merksatz
Geld bezahlt ≠ automatisch Vorsteuer abziehbar. Rechnung und Zahlung müssen zusammenpassen.
Rechnung vorhanden, aber noch nicht bezahlt
Auch der umgekehrte Fall ist wichtig.
Der Lieferant stellt eine Anzahlungsrechnung über:
11.900,00 €
Das Unternehmen hat sie noch nicht bezahlt.
Bei einer Zahlung vor Leistungsausführung ist die darin ausgewiesene Vorsteuer grundsätzlich erst abziehbar, wenn die Zahlung tatsächlich geleistet wurde.
Merksatz
Bei Anzahlungen braucht es für den Vorsteuerabzug Rechnung UND Zahlung.
Warum gelten bei Anzahlungen besondere Vorsteuerregeln?
Normalerweise setzt der Vorsteuerabzug voraus, dass eine Lieferung oder Leistung für das Unternehmen ausgeführt wurde und eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegt.
Bei Anzahlungen ist die Leistung gerade noch nicht ausgeführt.
Deshalb enthält das Umsatzsteuerrecht eine besondere Regel: Der gesondert ausgewiesene Steuerbetrag auf eine Vorauszahlung kann bereits abgezogen werden, wenn die Rechnung vorliegt und die Zahlung geleistet wurde.
Merksatz
Anzahlung ist die gesetzliche Ausnahme: Vorsteuer kann schon vor der Lieferung entstehen.
1510 oder geleistete Anzahlung auf Anlagevermögen?
1510 ist nur für Anzahlungen auf Vorräte bestimmt.
Kauft ein Unternehmen dagegen beispielsweise eine Maschine und leistet darauf eine Vorauszahlung, gehört diese nicht auf 1510.
Beispiel
Anzahlung auf eine Produktionsmaschine:
→ entsprechendes Anzahlungs- beziehungsweise Anlagenkonto, beispielsweise 0299 Anzahlungen auf technische Anlagen und Maschinen prüfen
Anzahlung auf Handelswaren:
→ 1510 beziehungsweise bei entsprechender Vorsteuer 1511 oder 1518
Merksatz
Was soll später geliefert werden? Vorrat oder Anlagevermögen? Danach richtet sich das Anzahlungs-konto.
Was sind Vorräte?
Vorräte können unterschiedliche Vermögensgegenstände umfassen.
Dazu gehören handelsrechtlich insbesondere:
- Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
- unfertige Erzeugnisse
- unfertige Leistungen
- fertige Erzeugnisse
- Waren
- geleistete Anzahlungen auf entsprechende Vorräte
1510 bildet dabei den letzten Bereich ab: Geld wurde bereits gezahlt, die Vorräte sind aber noch nicht geliefert beziehungsweise hergestellt worden.
Handelswaren
Ein Einzel- oder Großhändler bestellt Ware zum Weiterverkauf.
Der Lieferant verlangt 30 % Vorkasse.
Solange die Ware noch nicht geliefert wurde, liegt eine geleistete Anzahlung auf Vorräte vor.
Nach Lieferung wird die Anzahlung mit dem tatsächlichen Wareneinkauf verrechnet.
Merksatz
Vorkasse beim Wareneinkauf ist ein klassischer 1510-Fall.
Rohstoffe
Auch Vorauszahlungen auf Rohstoffe können 1510 betreffen.
Beispiel
Ein Produktionsunternehmen bestellt Stahl für:
100.000,00 €
und zahlt:
25.000,00 €
vorab.
Solange der Stahl noch nicht geliefert wurde, liegt eine geleistete Anzahlung auf Vorräte vor.
Hilfs- und Betriebsstoffe
Dasselbe Prinzip gilt für Vorauszahlungen auf Hilfs- oder Betriebsstoffe, sofern diese bilanziell dem Vorratsvermögen zuzuordnen sind.
Entscheidend ist also nicht nur, dass etwas gekauft wird, sondern welcher Vermögensart der spätere Gegenstand angehört.
Vorauszahlung für eine Dienstleistung ist nicht automatisch 1510
1510 heißt ausdrücklich:
Geleistete Anzahlungen auf Vorräte
Eine Vorauszahlung für eine Dienstleistung gehört deshalb nicht allein deshalb auf 1510, weil sie vorab bezahlt wurde.
Beispiel
Vorauszahlung für eine Beratungsleistung:
→ kein Vorrat
Vorauszahlung für Handelsware:
→ 1510 beziehungsweise spezielles Anzahlungs-konto
Merksatz
1510 nur verwenden, wenn die spätere Gegenleistung dem Vorratsbereich zuzuordnen ist.
Anzahlung ist noch kein Aufwand
Eine geleistete Anzahlung führt zunächst nicht zu einem normalen Aufwand.
Beispiel
Anzahlung auf Waren:
20.000,00 €
Gewinnwirkung bei Zahlung:
0,00 €
Die Bank nimmt ab, dafür steigt der Anzahlungsanspruch.
Erst später wird der Wareneinkauf beziehungsweise Warenverbrauch nach den dafür geltenden Regeln erfolgswirksam berücksichtigt.
Merksatz
Anzahlung verändert das Vermögen, nicht sofort den Gewinn.
Praxisbeispiel 4: Anzahlung und spätere Schlussrechnung
Bestellwert netto:
50.000,00 €
19 % Umsatzsteuer:
9.500,00 €
Brutto:
59.500,00 €
Vor Lieferung zahlt das Unternehmen bereits:
23.800,00 € brutto
Darin enthalten:
20.000,00 € Anzahlung
3.800,00 € Vorsteuer
Nach Lieferung stellt der Lieferant die Endrechnung über den gesamten Auftrag.
Die bereits geleistete Anzahlung muss in der Endabrechnung berücksichtigt werden.
Noch zu zahlen:
59.500 − 23.800 =
35.700,00 €
Wichtig
Die bereits aus der Anzahlung berücksichtigte Vorsteuer darf bei der Schlussrechnung nicht nochmals doppelt als zusätzliche Vorsteuer geltend gemacht werden.
Merksatz
Schlussrechnung = Gesamtbezug erfassen und bereits gebuchte Anzahlung einschließlich Vorsteuer sauber verrechnen.
Schlussrechnung und Vorsteuer
Wurde über die Anzahlung bereits eine Rechnung mit gesondertem Steuerausweis erteilt und die Vorsteuer daraus abgezogen, muss die Endrechnung die vorausbezahlten Teilentgelte und die darauf entfallenden Steuerbeträge entsprechend berücksichtigen.
Dadurch wird verhindert, dass derselbe Steuerbetrag zweimal als Vorsteuer geltend gemacht wird.
Merksatz
Vorsteuer aus Anzahlung einmal – nicht bei der Schlussrechnung ein zweites Mal.
Anzahlung wird zurückgezahlt
Der Lieferant kann den Auftrag möglicherweise nicht erfüllen und erstattet die Anzahlung.
Beispiel
Geleistete Nettoanzahlung:
10.000,00 €
Der Auftrag wird storniert.
Der Lieferant überweist den Betrag zurück.
Dann wird die geleistete Anzahlung wieder ausgebucht.
Grundlogik
1200 Bank an 1510 beziehungsweise entsprechendes Anzahlungs-konto
Wurde zuvor Vorsteuer aus der Anzahlung geltend gemacht, muss auch diese bei einer vollständigen Rückabwicklung entsprechend korrigiert werden.
Merksatz
Anzahlung zurück = Anzahlungsanspruch verschwindet; Vorsteuer gegebenenfalls ebenfalls korrigieren.
Teilweise Rückzahlung
Auch eine Teilrückzahlung ist möglich.
Beispiel
Geleistete Anzahlung:
20.000,00 €
Lieferant erstattet:
5.000,00 €
Verbleibende Anzahlung:
15.000,00 €
Der Saldo auf dem Anzahlungs-konto muss danach nur noch den tatsächlich beim Lieferanten verbliebenen Betrag darstellen.
Lieferant wird insolvent
Ein besonders wichtiger Fall entsteht, wenn ein Unternehmen eine Anzahlung geleistet hat und der Lieferant anschließend insolvent wird.
Dann besteht möglicherweise das Risiko, dass weder die Ware geliefert noch die gesamte Anzahlung zurückgezahlt wird.
Die geleistete Anzahlung muss dann auf ihre Werthaltigkeit geprüft werden.
Beispiel
Anzahlung:
50.000,00 €
Lieferant wird insolvent.
Voraussichtliche Rückzahlung aus der Insolvenz:
nur:
10.000,00 €
Dann besteht ein erhebliches Ausfallrisiko von:
40.000,00 €
Eine entsprechende Wertberichtigung beziehungsweise Abschreibung ist zu prüfen.
Merksatz
Auch geleistete Anzahlungen können ausfallen.
Insolvenz des Lieferanten bedeutet nicht automatisch sofort 100 % Verlust
Es kann noch bestehen:
- Anspruch auf Lieferung
- Rückzahlungsanspruch
- Insolvenzquote
- Sicherheit
- Versicherungsschutz
Deshalb sollte zunächst geprüft werden, welcher Betrag tatsächlich noch werthaltig ist.
Merksatz
Problem beim Lieferanten = Anzahlung bewerten, nicht blind vollständig abschreiben.
1510 und Lieferantenverbindlichkeiten
Eine normale Lieferantenverbindlichkeit entsteht, wenn der Lieferant bereits geliefert beziehungsweise eine entsprechende Leistung erbracht hat und das Unternehmen noch zahlen muss.
Dafür wird beispielsweise verwendet:
1600 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
1510 beschreibt genau die umgekehrte zeitliche Situation:
Das Unternehmen hat bereits gezahlt, der Lieferant muss noch liefern.
Merksatz
1600 = Lieferant hat geliefert, wir müssen zahlen. 1510 = wir haben gezahlt, Lieferant muss noch liefern.
Anzahlung über Kreditorenkonto
In einer Kreditorenbuchhaltung kann eine Vorauszahlung zunächst über das individuelle Lieferantenkonto abgewickelt werden.
Damit eine geleistete Anzahlung in der Bilanz trotzdem korrekt ausgewiesen wird, kann eine entsprechende Verrechnung beziehungsweise Umbuchung erforderlich sein.
DATEV stellt hierfür auch spezielle Verrechnungskonten für geleistete Anzahlungen bei Buchung über Kreditorenkonten bereit.
Merksatz
Kreditoren-OPOS und Bilanzausweis der Anzahlung müssen am Ende zusammenpassen.
OPOS-Liste
Eine Vorauszahlung an einen Lieferanten kann in der Kreditorenbuchhaltung als Guthaben beziehungsweise offener Anzahlungsbetrag sichtbar sein.
Bei Eingang der endgültigen Rechnung muss die Anzahlung mit dem richtigen Lieferanten und der richtigen Rechnung verrechnet werden.
Wichtig
Nach vollständiger Verrechnung sollte kein alter Anzahlungs-OPOS ohne Grund stehen bleiben.
Merksatz
Anzahlung und Schlussrechnung müssen auch beim Kreditor zusammengeführt werden.
Anzahlung ist keine Rechnungsabgrenzung
Eine geleistete Anzahlung darf nicht automatisch mit einer aktiven Rechnungsabgrenzung verwechselt werden.
0980 Aktive Rechnungsabgrenzung
Zahlung wurde geleistet, der Aufwand gehört zeitlich in eine spätere Periode.
1510
Zahlung wurde für noch nicht gelieferte Vorräte geleistet.
Hier fehlt also noch die eigentliche Lieferung beziehungsweise der Vermögensgegenstand.
Merksatz
ARA = zeitliche Abgrenzung eines Aufwands. 1510 = Vorauszahlung auf noch nicht erhaltene Vorräte.
Anzahlungsrechnung allein erzeugt noch keine geleistete Anzahlung
Ein Lieferant kann eine Anzahlungsrechnung über:
11.900,00 €
stellen.
Solange das Unternehmen noch nicht gezahlt hat, ist noch keine geleistete Anzahlung vorhanden.
Die Zahlung ist entscheidend.
Merksatz
Rechnung erhalten ist nicht dasselbe wie Anzahlung geleistet.
1510 am Jahresende
Wurde eine Anzahlung im Dezember geleistet und die Ware kommt erst im nächsten Jahr, bleibt die Anzahlung zum Bilanzstichtag auf der Aktivseite bestehen.
Beispiel
Anzahlung:
30.000,00 €
Zahlung:
15.12.2026
Lieferung:
20.01.2027
Am 31.12.2026 besteht weiterhin eine geleistete Anzahlung von:
30.000,00 €
Sie wird im Umlaufvermögen innerhalb der Vorräte ausgewiesen.
Merksatz
Noch keine Lieferung am 31.12. = Anzahlung bleibt als Aktivposten stehen.
Warum wird 1510 über das SBK abgeschlossen?
1510 ist ein Bestandskonto.
Der Anspruch gegen den Lieferanten besteht über den Jahreswechsel hinweg weiter.
Deshalb wird der Saldo über das Schlussbilanzkonto (SBK) abgeschlossen und im Folgejahr als Anfangsbestand weitergeführt.
Merksatz
Offene Anzahlung verschwindet nicht durch den Jahreswechsel.
Was zeigt der Saldo des Kontos?
Der typische Sollsaldo von 1510 zeigt die zum Stichtag noch nicht durch Lieferung, Verrechnung oder Rückzahlung abgewickelten Anzahlungen auf Vorräte.
Beispiel
Anzahlung Lieferant A:
20.000,00 €
Anzahlung Lieferant B:
15.000,00 €
Anzahlung Lieferant C:
5.000,00 €
Saldo 1510:
20.000 + 15.000 + 5.000 =
40.000,00 € Soll
Das Unternehmen besitzt damit noch Anzahlungsansprüche in Höhe von 40.000,00 €.
Merksatz
Sollsaldo 1510 = Geld bereits gezahlt, Vorräte beziehungsweise Rückzahlung noch ausstehend.
Warum wäre ein Habensaldo auffällig?
1510 ist ein Aktivkonto mit normaler Sollseite.
Ein Habensaldo sollte deshalb geprüft werden.
Mögliche Ursachen:
- Anzahlung wurde doppelt verrechnet
- Rückzahlung wurde gebucht, ursprüngliche Anzahlung fehlt
- Schlussrechnung wurde falsch verrechnet
- Soll und Haben wurden vertauscht
- falsches Anzahlungs-konto wurde verwendet
Merksatz
1510 sollte normalerweise einen Sollsaldo oder null besitzen.
Abstimmung zum Jahresabschluss
Zum Bilanzstichtag sollte für jede geleistete Anzahlung geprüft werden:
- Welcher Lieferant hat das Geld erhalten?
- Welche Bestellung gehört dazu?
- Wurde die Ware inzwischen geliefert?
- Liegt bereits eine Schlussrechnung vor?
- Wurde die Anzahlung korrekt verrechnet?
- Ist die Vorsteuer richtig behandelt worden?
- Ist der Lieferant noch leistungsfähig?
- Besteht gegebenenfalls ein Ausfallrisiko?
- Sind alte Anzahlungen noch nachvollziehbar?
Merksatz
Jeder Saldo auf 1510 sollte zu einer konkreten noch offenen Beschaffung gehören.
Alte Salden sind ein Warnsignal
Bleibt eine Anzahlung über lange Zeit unverändert auf 1510 stehen, sollte geprüft werden, warum.
Mögliche Ursachen:
- Ware wurde längst geliefert
- Schlussrechnung wurde nicht verrechnet
- Rückzahlung wurde nicht gebucht
- Lieferant kann nicht mehr liefern
- alter Kreditorenposten wurde vergessen
- falsche Kontierung
Merksatz
1510 ist kein Parkplatz für vergessene Lieferantenguthaben.
Was wird typischerweise auf Konto 1510 gebucht?
Typischerweise werden auf 1510 erfasst:
- Vorauszahlungen auf Handelswaren
- Vorauszahlungen auf Rohstoffe
- Vorauszahlungen auf Hilfsstoffe
- Vorauszahlungen auf Betriebsstoffe
- andere Anzahlungen auf Vorräte
- Verrechnungen mit späteren Lieferungen
- Rückzahlungen geleisteter Anzahlungen
- Umbuchungen und Korrekturen entsprechender Anzahlungen
Was gehört typischerweise nicht auf Konto 1510?
Nicht beziehungsweise nicht automatisch auf 1510 gehören:
- normale Kundenforderungen → 1400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
- normale Lieferantenverbindlichkeiten → 1600 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
- bereits gelieferte Waren → entsprechendes Wareneingangs- oder Vorratskonto
- Vorauszahlungen auf Maschinen → beispielsweise 0299 Anzahlungen auf technische Anlagen und Maschinen prüfen
- Vorauszahlungen auf andere Anlagegüter → entsprechendes Anlagekonto prüfen
- reine Dienstleistungsvorauszahlungen ohne Bezug zu Vorräten
- aktive Rechnungsabgrenzungen → 0980 Aktive Rechnungsabgrenzung
- erhaltene Anzahlungen von Kunden → beispielsweise 1710 Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen (Verbindlichkeiten)
- 19-%-Anzahlungen mit Vorsteuerautomatik ohne Prüfung von 1518 Geleistete Anzahlungen 19 % Vorsteuer
- 7-%-Anzahlungen mit Vorsteuerautomatik ohne Prüfung von 1511 Geleistete Anzahlungen 7 % Vorsteuer
Kontoart und Abschluss
Kontonummer: 1510 Kontenbezeichnung: Geleistete Anzahlungen auf Vorräte Kontenart: Aktivkonto Kontenklasse: 1 Kategorie: Warenbestand / Umlaufvermögen Bereich: Vorräte · Geleistete Anzahlungen Normale Kontoseite: Soll Zugang/Anzahlung: Soll Verrechnung/Rückzahlung: Haben Abschluss: SBK Bilanz: Aktivseite · Umlaufvermögen · Vorräte · Geleistete Anzahlungen GuV: Nicht direkt in der GuV
Typische Fehler
1510 als Forderungskategorie einordnen
Wirtschaftlich besteht zwar ein Anspruch gegen den Lieferanten, handelsrechtlich wird die geleistete Anzahlung auf Vorräte jedoch unter den Vorräten ausgewiesen.
Anzahlung sofort als Wareneingang buchen
Solange die Ware noch nicht geliefert wurde, liegt noch kein normaler Wareneingang vor.
Anzahlung sofort als Aufwand behandeln
1510 ist ein Aktivkonto und beeinflusst die GuV zunächst nicht direkt.
Vorsteuer nur aufgrund der Zahlung abziehen
Für den Vorsteuerabzug aus einer Vorauszahlung muss grundsätzlich auch eine entsprechende Rechnung vorliegen.
Vorsteuer nur aufgrund der Anzahlungsrechnung abziehen
Bei Vorauszahlungen muss zusätzlich die Zahlung tatsächlich geleistet worden sein.
Falschen Steuersatz verwenden
Für 7-%- und 19-%-Anzahlungen stehen unterschiedliche Konten zur Verfügung.
Schlussrechnung und Anzahlung nicht verrechnen
Dann bleibt die geleistete Anzahlung fälschlich dauerhaft in der Bilanz stehen.
Vorsteuer bei der Schlussrechnung doppelt buchen
Bereits aus der Anzahlung abgezogene Vorsteuer darf nicht ein zweites Mal berücksichtigt werden.
Anlagevermögen auf 1510 buchen
1510 ist ausschließlich für Anzahlungen auf Vorräte vorgesehen.
Dienstleistungsvorauszahlung ungeprüft auf 1510 buchen
Entscheidend ist, ob die spätere Gegenleistung tatsächlich zum Vorratsvermögen gehört.
Alte Salden nicht kontrollieren
Jede offene Anzahlung sollte einem Lieferanten und einer Bestellung zugeordnet werden können.
Verwandte Konten
- 0299 Anzahlungen auf technische Anlagen und Maschinen – Vorauszahlungen auf entsprechende Maschinen des Anlagevermögens
- 0980 Aktive Rechnungsabgrenzung – zeitliche Abgrenzung vorausbezahlter Aufwendungen
- 1200 Bank – Zahlung beziehungsweise Rückzahlung der Anzahlung
- 1400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen – normale Kundenforderungen, nicht Anzahlungen auf Vorräte
- 1511 Geleistete Anzahlungen 7 % Vorsteuer – geleistete Anzahlungen mit 7 % Vorsteuer
- 1518 Geleistete Anzahlungen 19 % Vorsteuer – geleistete Anzahlungen mit 19 % Vorsteuer
- 1576 Abziehbare Vorsteuer 19 % – Vorsteuer bei erfüllten Voraussetzungen
- 1600 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen – normale Lieferantenverbindlichkeiten
- 1710 Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen (Verbindlichkeiten) – Vorauszahlungen von Kunden an das Unternehmen
- 3200 Wareneingang – Warenbezug nach erfolgter Lieferung
Kurz zusammengefasst
Das Konto 1510 Geleistete Anzahlungen auf Vorräte erfasst Zahlungen an Lieferanten für Vorräte, die noch nicht geliefert wurden. Es handelt sich um ein Aktivkonto und die Anzahlung wird handelsrechtlich innerhalb des Umlaufvermögens unter den Vorräten ausgewiesen. Die reine Zahlung verursacht noch keinen Wareneingang und keinen Aufwand. Bei steuerpflichtigen Anzahlungen kann bereits vor der Lieferung ein Vorsteuerabzug möglich sein, wenn eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegt und die Zahlung tatsächlich geleistet wurde. Für 7-%- beziehungsweise 19-%-Anzahlungen stehen mit 1511 Geleistete Anzahlungen 7 % Vorsteuer und 1518 Geleistete Anzahlungen 19 % Vorsteuer speziellere SKR03-Konten zur Verfügung. Nach Lieferung muss die Anzahlung mit der endgültigen Rechnung verrechnet werden.
Kurzform: Lieferant bekommt Geld vor Lieferung der Vorräte = 1510 im Soll. Bilanziell Vorräte, nicht Forderungen. 7 % Vorsteuer = 1511, 19 % Vorsteuer = 1518. Lieferung später = Anzahlung verrechnen.