Einfach erklärt
Das Konto 2118 Zinsen auf Kontokorrentkonten wird verwendet, wenn eine Bank für die Nutzung eines betrieblichen Kontokorrentkredits beziehungsweise für einen negativen Saldo des Geschäftskontos Zinsen berechnet.
Ein Kontokorrentkredit ist vereinfacht eine Kreditlinie auf dem laufenden Bankkonto.
Das Unternehmen darf sein Konto beispielsweise bis:
50.000,00 €
überziehen.
Wird diese Kreditlinie tatsächlich genutzt, berechnet die Bank dafür Zinsen.
Diese Zinsen werden auf 2118 erfasst.
Merksatz
Geschäftskonto im Minus + Bank berechnet Sollzinsen = 2118 prüfen.
Soll oder Haben?
2118 ist ein Aufwandskonto.
Deshalb gilt grundsätzlich:
- Kontokorrentzinsen entstehen → Soll
- Zinsgutschrift oder Korrektur → Haben
Typische Buchung
2118 Zinsen auf Kontokorrentkonten an 1200 Bank
Merksatz
Kontokorrentzins = Aufwand im Soll.
Praxisbeispiel 1: Geschäftskonto ist überzogen
Ein Unternehmen nutzt seine Kontokorrentlinie.
Die Bank belastet für einen Monat:
350,00 € Sollzinsen
Buchung
2118 Zinsen auf Kontokorrentkonten 350,00 € an 1200 Bank 350,00 €
Die Zinsbelastung erhöht den Aufwand des Unternehmens.
Gleichzeitig wird der Banksaldo um weitere 350,00 € vermindert beziehungsweise die Bankverbindlichkeit entsprechend erhöht.
Merksatz
Die Zinsen selbst erhöhen bei einem bereits negativen Konto sogar zusätzlich die Bankschuld.
Was ist ein Kontokorrentkredit?
Ein Kontokorrentkredit ist eine kurzfristige Kreditlinie auf einem laufenden Bankkonto.
Beispiel:
Bankguthaben:
0,00 €
Eingeräumte Kreditlinie:
50.000,00 €
Das Unternehmen bezahlt Rechnungen über:
20.000,00 €
obwohl kein Guthaben vorhanden ist.
Der Banksaldo beträgt danach:
−20.000,00 €
Das Unternehmen nutzt damit 20.000,00 € Fremdkapital der Bank.
Für diesen Betrag berechnet die Bank Zinsen.
Merksatz
Kontokorrentkredit = kurzfristig verfügbares Fremdkapital direkt auf dem Geschäftskonto.
Kreditlinie allein verursacht noch keinen Zinsaufwand
Eine eingeräumte Kreditlinie ist nicht dasselbe wie tatsächlich genutzter Kredit.
Beispiel
Kontokorrentlinie:
100.000,00 €
Tatsächlich genutzt:
0,00 €
Dann entstehen aus der bloßen Möglichkeit der Überziehung grundsätzlich noch keine normalen Sollzinsen.
Erst wenn der Kredit tatsächlich beansprucht wird, berechnet die Bank entsprechende Zinsen.
Zusätzliche Bereitstellungs- oder Kreditprovisionen sind davon getrennt zu beurteilen.
Merksatz
Kreditrahmen vorhanden heißt nicht automatisch Zinsaufwand.
Praxisbeispiel 2: Unterschiedlich hohe Nutzung
Ein Unternehmen besitzt eine Kontokorrentlinie von:
50.000,00 €
Im Laufe des Monats beträgt die Inanspruchnahme beispielsweise zeitweise:
- 10.000 €
- 20.000 €
- 5.000 €
- 30.000 €
Die Bank berechnet die Zinsen entsprechend den vertraglichen Konditionen auf die tatsächliche Inanspruchnahme und Nutzungsdauer.
Am Monatsende belastet sie:
420,00 €
Buchung
2118 Zinsen auf Kontokorrentkonten 420,00 € an 1200 Bank 420,00 €
2118 oder 2110 Zinsaufwendungen für kurzfristige Verbindlichkeiten?
Diese beiden Konten sind ähnlich, aber nicht identisch.
2118 Zinsen auf Kontokorrentkonten
ist speziell für Zinsen aus einem Kontokorrentkonto beziehungsweise einer laufenden Bankkreditlinie vorgesehen.
2110 Zinsaufwendungen für kurzfristige Verbindlichkeiten
ist allgemeiner und betrifft andere kurzfristige Verbindlichkeiten beziehungsweise Finanzierungen.
Beispiel
Überzogenes Geschäftsgirokonto:
→ 2118
Kurzfristiges separates Betriebsmitteldarlehen:
→ 2110 Zinsaufwendungen für kurzfristige Verbindlichkeiten prüfen
Merksatz
Kontokorrentkonto = 2118. Anderes kurzfristiges Darlehen = 2110.
2118 oder 2120 Zinsaufwendungen für langfristige Verbindlichkeiten?
Ein Kontokorrentkredit ist typischerweise kurzfristig und flexibel.
Ein langfristiges Investitionsdarlehen besitzt dagegen meist eine feste mehrjährige Laufzeit.
Kontokorrentzinsen
→ 2118
Zinsen eines langfristigen Darlehens
→ 2120 Zinsaufwendungen für langfristige Verbindlichkeiten
Merksatz
Kurzfristige Kontoüberziehung und langfristiges Darlehen sind zwei verschiedene Finanzierungsformen.
Kontokorrentzins ist nicht Tilgung
Bei einem Kontokorrentkonto gibt es häufig keine klassische monatliche Tilgungsrate wie bei einem normalen Darlehen.
Der negative Saldo verändert sich durch laufende:
- Einzahlungen
- Auszahlungen
- Überweisungen
- Bankbelastungen
Die Zinsbelastung selbst ist Aufwand.
Wird später Geld auf das Konto eingezahlt, vermindert sich die Bankverbindlichkeit.
Diese Einzahlung ist aber keine zusätzliche Zinsbuchung.
Beispiel
Banksaldo:
−10.000,00 €
Kundenzahlung:
8.000,00 €
Neuer Banksaldo:
−2.000,00 €
Die Kundenzahlung reduziert die Inanspruchnahme des Kontokorrentkredits.
Sie wird nicht auf 2118 gebucht.
Merksatz
2118 enthält die Zinskosten – nicht die Rückführung des negativen Bankkontos.
Sollzinsen und Überziehungszinsen
Banken können unterschiedliche Zinssätze berechnen.
Sollzinsen
entstehen innerhalb einer vereinbarten Kontokorrentlinie.
Überziehungszinsen
können zusätzlich oder mit einem höheren Zinssatz entstehen, wenn das Konto über den vereinbarten Kreditrahmen hinaus überzogen wird.
Beide Arten sind wirtschaftlich Zinsaufwand.
Bei betrieblicher Veranlassung kann daher 2118 relevant sein.
Beispiel
Vereinbarte Kreditlinie:
20.000,00 €
Tatsächlicher negativer Saldo:
25.000,00 €
Dann können:
- normale Kontokorrentzinsen für den vereinbarten Bereich
- zusätzliche beziehungsweise höhere Überziehungszinsen für den darüber hinausgehenden Betrag
anfallen.
Merksatz
Auch Zinsen wegen Überschreitung der Kreditlinie bleiben grundsätzlich Zinsen.
2118 oder 4970 Nebenkosten des Geldverkehrs?
Diese Abgrenzung ist sehr wichtig, weil Banken häufig mehrere Positionen gleichzeitig abrechnen.
2118
Zinsen für die Nutzung des Kontokorrentkredits.
4970 Nebenkosten des Geldverkehrs
Bank- und Zahlungsverkehrsgebühren.
Beispiele:
- Kontoführungsgebühr
- Buchungsposten
- Überweisungsgebühr
- Kartenentgelt
- bestimmte Zahlungsverkehrskosten
Praxisbeispiel
Bankabrechnung:
Kontokorrentzinsen:
300,00 €
Kontoführungsgebühr:
25,00 €
Gesamtbelastung:
325,00 €
Buchung
2118 Zinsen auf Kontokorrentkonten 300,00 € 4970 Nebenkosten des Geldverkehrs 25,00 € an 1200 Bank 325,00 €
Merksatz
Zins und Bankgebühr aufteilen – nicht alles auf 2118 buchen.
Keine normale Vorsteuer auf Kontokorrentzinsen
Kreditzinsen gehören grundsätzlich zu den umsatzsteuerlich steuerfreien Finanzumsätzen.
Deshalb enthält eine gewöhnliche Belastung von Kontokorrentzinsen regelmäßig keine abzugsfähige 19-%-Vorsteuer.
Beispiel
Kontokorrentzinsen:
500,00 €
Richtig:
2118 Zinsen auf Kontokorrentkonten 500,00 € an 1200 Bank 500,00 €
Nicht:
420,17 € Zinsen + 79,83 € 1576 Abziehbare Vorsteuer 19 %.
Merksatz
Kreditzinsen enthalten normalerweise keine abzugsfähige Vorsteuer.
Zinsabrechnung prüfen
Auf Bankabrechnungen können gleichzeitig verschiedene Beträge erscheinen.
Beispiele:
- Sollzinsen
- Überziehungszinsen
- Kontoführungsgebühren
- Kreditprovisionen
- Bereitstellungsentgelte
- Bearbeitungskosten
Nicht jede Position gehört automatisch auf 2118.
Entscheidend ist der wirtschaftliche Charakter.
Merksatz
Bankabrechnung Position für Position buchen – nicht einfach den Gesamtbetrag auf ein Konto.
Kreditprovision ist nicht automatisch Zins
Eine Bank kann neben Zinsen eine Kredit- oder Bereitstellungsprovision berechnen.
Dann muss geprüft werden, ob die Zahlung wirtschaftlich:
- Zins
- Finanzierungsgebühr
- Bankgebühr
- oder ein anderer Aufwand
ist.
Die Bezeichnung im Vertrag und der wirtschaftliche Zusammenhang sind entscheidend.
Merksatz
Alles, was mit einem Kredit zusammenhängt, ist nicht automatisch Zins auf 2118.
Kontokorrentzinsen entstehen laufend
Die Bank berechnet die Zinsen häufig anhand:
- des jeweiligen täglichen Sollsaldos
- des vereinbarten Zinssatzes
- der Dauer der Inanspruchnahme
Die genaue Zinsberechnung übernimmt in der Praxis normalerweise die Bank.
Die Buchhaltung übernimmt anschließend den berechneten Zinsbetrag aus dem Kontoauszug beziehungsweise der Zinsabrechnung.
Praxisbeispiel 3: Stark schwankender Kontostand
Ein Unternehmen hat während eines Quartals ständig wechselnde Banksalden.
Teilweise:
+10.000,00 € Guthaben
teilweise:
−40.000,00 € Kontokorrentnutzung
Am Quartalsende berechnet die Bank:
1.250,00 € Sollzinsen
Buchung
2118 Zinsen auf Kontokorrentkonten 1.250,00 € an 1200 Bank 1.250,00 €
Es ist nicht notwendig, jeden einzelnen Tag selbst in der Finanzbuchhaltung nachzurechnen, sofern die Bankabrechnung nachvollziehbar ist.
Zinsertrag und Zinsaufwand getrennt buchen
Ein Bankkonto kann in einem Zeitraum Guthaben und in einem anderen Zeitraum einen negativen Saldo besitzen.
Dadurch können theoretisch sowohl:
- Zinserträge
- Zinsaufwendungen
entstehen.
Diese sollten nicht einfach saldiert werden.
Zinsertrag
kann beispielsweise auf:
2650 Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge
gehören.
Zinsaufwand
→ 2118
Beispiel
Zinsertrag:
100,00 €
Kontokorrentzinsen:
800,00 €
Nicht einfach nur:
700,00 € Zinsaufwand
buchen.
Stattdessen werden Aufwand und Ertrag getrennt erfasst.
Merksatz
Zinsertrag und Zinsaufwand nicht gegenseitig verstecken.
2118 zeigt nicht die Höhe des Kontokorrentkredits
Das Konto 2118 zeigt nur die Zinskosten.
Es zeigt nicht, wie hoch der negative Banksaldo beziehungsweise die Bankschuld ist.
Beispiel
Kontokorrentnutzung:
30.000,00 €
Jahreszinsen:
3.000,00 €
2118 zeigt:
3.000,00 € Aufwand
Der negative Bankbestand von 30.000,00 € wird über das entsprechende Bankkonto beziehungsweise dessen Passivausweis dargestellt.
Merksatz
2118 zeigt Kosten des Kredits – nicht die Kredithöhe.
Negatives Bankkonto ist wirtschaftlich eine Verbindlichkeit
Ein Bankkonto wird normalerweise als Aktivkonto geführt.
Ist sein Saldo jedoch am Bilanzstichtag negativ, besteht wirtschaftlich eine Verpflichtung gegenüber dem Kreditinstitut.
Für den Jahresabschluss kann deshalb ein passiver Ausweis als Verbindlichkeit gegenüber Kreditinstituten erforderlich sein.
Das ist vom Zinsaufwand auf 2118 getrennt zu betrachten.
Merksatz
Negativer Banksaldo = Bilanzthema. Zinsen darauf = 2118.
2118 und 0630 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten
0630 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten kann entsprechende Bankverbindlichkeiten abbilden.
2118 zeigt dagegen den zugehörigen Zinsaufwand.
Beispiel
Bankverbindlichkeit am Bilanzstichtag:
40.000,00 €
Zinsaufwand des Jahres:
4.500,00 €
Dann sind beide Größen getrennt zu betrachten:
- 40.000,00 € Verbindlichkeit in der Bilanz
- 4.500,00 € Zinsaufwand in der GuV
Merksatz
Schuld und Kosten der Schuld sind zwei verschiedene Konten.
Kontokorrentkredit ist häufig kurzfristig
Kontokorrentlinien dienen typischerweise der kurzfristigen Liquiditätssteuerung.
Beispiele:
- Lieferantenrechnung muss bezahlt werden, bevor Kunde zahlt
- saisonaler Finanzierungsbedarf
- kurzfristiger Lageraufbau
- Überbrückung zwischen Zahlungsein- und -ausgängen
Gerade deshalb können Kontokorrentzinsen ein wichtiger Indikator für die Liquidität eines Unternehmens sein.
Hoher Kontokorrentzins kann ein Warnsignal sein
Ein stark steigender Saldo auf 2118 kann bedeuten, dass das Unternehmen seine Kontokorrentlinie häufiger oder stärker nutzt.
Beispiel
Vorjahr:
3.000,00 € Kontokorrentzinsen
Aktuelles Jahr:
18.000,00 € Kontokorrentzinsen
Das kann unter anderem darauf hindeuten:
- höhere Kreditinanspruchnahme
- höhere Zinssätze
- schwächere Liquidität
- verspätete Kundenzahlungen
- dauerhaft finanzierte Betriebsmittel
Merksatz
2118 ist nicht nur Buchhaltung – das Konto kann etwas über die Liquiditätslage erzählen.
Dauerhafte Kontokorrentnutzung kann teuer sein
Kontokorrentkredite sind flexibel, können aber im Vergleich zu langfristigen Finanzierungen relativ hohe Zinssätze besitzen.
Wird eine Kreditlinie dauerhaft vollständig genutzt, kann es betriebswirtschaftlich sinnvoll sein zu prüfen, ob ein anderes Finanzierungsinstrument günstiger wäre.
Das ist zwar keine Buchungsfrage, aber 2118 kann solche Finanzierungskosten sichtbar machen.
Betriebliche Veranlassung
Damit Kontokorrentzinsen steuerlich grundsätzlich Betriebsausgaben darstellen, muss die Kreditinanspruchnahme betrieblich veranlasst sein.
Beispiel
Geschäftskonto wird überzogen, um Lieferantenrechnungen zu bezahlen.
→ betrieblicher Zusammenhang
Das Konto wird dagegen überzogen, weil ein Einzelunternehmer hohe private Ausgaben darüber bezahlt.
→ steuerliche Prüfung erforderlich
Bei Einzelunternehmen kann insbesondere § 4 Abs. 4a EStG relevant werden.
2118 und 2113 Nicht abzugsfähige Schuldzinsen nach § 4 Abs. 4a EStG (Hinzurechnungsbetrag)
Kontokorrentzinsen können zunächst vollständig als betrieblicher Zinsaufwand auf 2118 erfasst werden.
Bei Einzelunternehmen und Mitunternehmerschaften kann anschließend geprüft werden, ob aufgrund von Überentnahmen ein Teil der Schuldzinsen nach § 4 Abs. 4a EStG steuerlich nicht abzugsfähig ist.
Dafür ist:
2113 Nicht abzugsfähige Schuldzinsen nach § 4 Abs. 4a EStG (Hinzurechnungsbetrag)
relevant.
Beispiel
Kontokorrentzinsen:
10.000,00 €
→ zunächst auf 2118 erfasst
Steuerliche Berechnung nach § 4 Abs. 4a EStG ergibt:
2.000,00 € nicht abzugsfähig
→ steuerliche Korrektur über 2113
Merksatz
2118 erfasst den echten Zinsaufwand. 2113 erfasst gegebenenfalls die steuerliche Nichtabziehbarkeit.
Privatentnahmen können indirekt eine Rolle spielen
Bei Einzelunternehmen können hohe Privatentnahmen dazu führen, dass § 4 Abs. 4a EStG geprüft werden muss.
Privatentnahmen werden beispielsweise über:
1801 Privatentnahmen allgemein (nur Einzelunternehmen)
erfasst.
Der Kontokorrentzins bleibt zunächst ein tatsächlicher Zinsaufwand.
Die Frage, welcher Anteil davon steuerlich abzugsfähig bleibt, wird anschließend gesondert geprüft.
Merksatz
Privatentnahme verändert nicht die Bankabrechnung – kann aber die steuerliche Abziehbarkeit der Schuldzinsen beeinflussen.
Kontokorrentzinsen im Einzelunternehmen
Das Geschäftskonto eines Einzelunternehmens kann sowohl betriebliche als auch private Zahlungsbewegungen enthalten.
Das sollte möglichst vermieden beziehungsweise sauber getrennt werden.
Denn bei umfangreichen privaten Zahlungen aus dem betrieblichen Konto können komplizierte steuerliche Fragen zur Schuldzinsenabziehbarkeit entstehen.
Eine klare Trennung von Privat- und Geschäftskonto erleichtert die Nachvollziehbarkeit erheblich.
GmbH und Kontokorrentzinsen
Auch eine GmbH kann selbstverständlich einen Kontokorrentkredit besitzen.
Die normale Buchung der Zinsen erfolgt ebenfalls auf 2118.
Die spezielle Überentnahmeregel des § 4 Abs. 4a EStG knüpft jedoch an Entnahmen und Einlagen an und ist deshalb insbesondere für Einzelunternehmen und Mitunternehmerschaften relevant.
Bei einer GmbH gelten andere Regeln für Zahlungen an Gesellschafter.
Zinsen müssen periodengerecht zugeordnet werden
Bei bilanzierenden Unternehmen gehören Zinsen grundsätzlich in das Geschäftsjahr, in dem sie wirtschaftlich entstanden sind.
Beispiel
Die Bank berechnet im Januar Zinsen für den Zeitraum Oktober bis Dezember des Vorjahres.
Dann betreffen diese Zinsen wirtschaftlich das Vorjahr.
Zum Jahresabschluss kann deshalb eine Abgrenzung beziehungsweise Verbindlichkeit erforderlich sein.
Merksatz
Zinsaufwand gehört zum Nutzungszeitraum des Kapitals – nicht automatisch nur zum Abbuchungsdatum.
Praxisbeispiel 4: Zinsen über den Jahreswechsel
Für Dezember entstehen Kontokorrentzinsen von:
900,00 €
Die Bank belastet sie erst am 5. Januar.
Bei einem bilanzierenden Unternehmen gehören die 900,00 € wirtschaftlich in das alte Geschäftsjahr.
Zum 31. Dezember kann daher eine entsprechende Abgrenzung beziehungsweise Verbindlichkeit erforderlich sein.
2118 erfasst den Zinsaufwand des richtigen Jahres.
Zinsgutschrift
Banken können eine frühere Zinsberechnung korrigieren.
Beispiel
Ursprünglich belastete Zinsen:
600,00 €
Spätere Korrektur:
100,00 € Gutschrift
Vereinfachte Buchung
1200 Bank 100,00 € an 2118 Zinsen auf Kontokorrentkonten 100,00 €
Der Zinsaufwand wird dadurch reduziert.
Zinserstattung aus einem früheren Jahr
Betrifft eine größere Zinsgutschrift ein früheres Geschäftsjahr, sollte geprüft werden, ob eine einfache Verrechnung mit dem laufenden Zinsaufwand sachgerecht ist.
Je nach Bedeutung und Abschlussart können periodenbezogene Fragen entstehen.
Merksatz
Bei größeren Korrekturen immer prüfen, welches Jahr betroffen ist.
Fremdwährungskonten
Ein Unternehmen kann auch ein betriebliches Fremdwährungskonto beziehungsweise eine entsprechende Kreditlinie besitzen.
Dann können neben Kontokorrentzinsen zusätzlich Währungskursgewinne oder -verluste entstehen.
Diese Kursdifferenzen sind nicht automatisch Teil des Zinsaufwands auf 2118.
Beispiel
Zinsbelastung:
500,00 €
zusätzlicher Kursverlust:
300,00 €
Die beiden Beträge haben unterschiedliche wirtschaftliche Ursachen und sollten getrennt erfasst werden.
Kontokorrentzinsen an verbundene Unternehmen?
2118 betrifft typischerweise Kontokorrentkonten bei Kreditinstituten.
Besteht dagegen ein kurzfristiges verzinsliches Verrechnungskonto mit einem verbundenen Unternehmen, können speziellere Konten erforderlich sein.
Für kurzfristige Zinsaufwendungen gegenüber verbundenen Unternehmen kann beispielsweise:
2119 Zinsaufwendungen für kurzfristige Verbindlichkeiten an verbundene Unternehmen
relevant sein.
Merksatz
Wer erhält die Zinsen? Bank oder verbundenes Unternehmen kann unterschiedliche Kontierung bedeuten.
Keine künstliche Umbuchung auf 2118
Nur weil eine Finanzierung kurzfristig ist, handelt es sich nicht automatisch um einen Kontokorrentkredit.
Beispiel
Dreimonatiges separates Bankdarlehen:
→ 2110 Zinsaufwendungen für kurzfristige Verbindlichkeiten prüfen
Negativer Saldo auf laufendem Geschäftskonto:
→ 2118
Merksatz
2118 ist speziell für das Kontokorrentkonto.
Kontokorrentzinsen und Liquiditätsplanung
Regelmäßig hohe Kontokorrentzinsen können genutzt werden, um die Finanzierungssituation zu analysieren.
Beispielsweise kann geprüft werden:
- Wie oft wird die Kreditlinie genutzt?
- Wie hoch ist die durchschnittliche Auslastung?
- Wie hoch ist der Zinssatz?
- Könnte ein langfristiges Darlehen günstiger sein?
- Zahlen Kunden zu spät?
- Sind Lagerbestände zu hoch?
- Gibt es saisonale Liquiditätsengpässe?
2118 kann damit ein interessantes Frühwarnkonto sein.
Was wird typischerweise auf Konto 2118 gebucht?
Typischerweise werden auf 2118 erfasst:
- Sollzinsen auf betrieblichen Kontokorrentkonten
- Zinsen für die Nutzung einer betrieblichen Kontokorrentlinie
- Überziehungszinsen auf betrieblichen Geschäftskonten
- entsprechende periodengerecht abgegrenzte Kontokorrentzinsen
- Korrekturen und Gutschriften solcher Zinsen
Was gehört typischerweise nicht auf Konto 2118?
Nicht beziehungsweise nicht automatisch auf 2118 gehören:
- Zinsen aus einem separaten kurzfristigen Darlehen → 2110 Zinsaufwendungen für kurzfristige Verbindlichkeiten
- Zinsen für langfristige Verbindlichkeiten → 2120 Zinsaufwendungen für langfristige Verbindlichkeiten
- nicht abzugsfähiger Hinzurechnungsbetrag nach § 4 Abs. 4a EStG → 2113 Nicht abzugsfähige Schuldzinsen nach § 4 Abs. 4a EStG (Hinzurechnungsbetrag)
- Zinsen an verbundene Unternehmen → beispielsweise 2119 Zinsaufwendungen für kurzfristige Verbindlichkeiten an verbundene Unternehmen prüfen
- Kontoführungsgebühren → 4970 Nebenkosten des Geldverkehrs
- Karten- und Überweisungsgebühren → 4970 Nebenkosten des Geldverkehrs
- Zinserträge → 2650 Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge
- private Schuldzinsen
- Tilgung beziehungsweise Rückführung einer Bankverbindlichkeit
- Währungskursverluste
Kontoart und Abschluss
Kontonummer: 2118 Kontenbezeichnung: Zinsen auf Kontokorrentkonten Kontenart: Aufwandskonto Kontenklasse: 2 Kategorie: Aufwand Bereich: Zinsen und ähnliche Aufwendungen / Kontokorrentzinsen Normale Kontoseite: Soll Zinsaufwand: Soll Gutschriften und Korrekturen: Haben Abschluss: GuV Bilanz: Nicht in der Bilanz GuV: Aufwand · Zinsen und ähnliche Aufwendungen
Was zeigt der Saldo des Kontos?
Der typische Sollsaldo von 2118 zeigt die im Geschäftsjahr angefallenen Zinskosten für betriebliche Kontokorrentkonten.
Beispiel
- Quartal:
800,00 €
- Quartal:
1.000,00 €
- Quartal:
1.200,00 €
- Quartal:
1.500,00 €
Gesamtsaldo:
800 + 1.000 + 1.200 + 1.500 =
4.500,00 € Soll
Der Betrieb hatte damit im Geschäftsjahr 4.500,00 € Kontokorrentzinsaufwand.
Der Saldo sagt jedoch nicht aus, wie hoch die Bankverbindlichkeit am Jahresende ist.
Merksatz
2118 zeigt Jahreszinskosten – nicht den aktuellen negativen Banksaldo.
Warum ein Habensaldo auffällig wäre
2118 ist ein Aufwandskonto mit normaler Sollseite.
Ein Habensaldo sollte deshalb geprüft werden.
Mögliche Ursachen können sein:
- größere Zinsgutschriften
- Storno früherer Zinsbelastungen
- Soll und Haben wurden vertauscht
- Zinsertrag wurde versehentlich auf 2118 gebucht
- Korrektur betrifft ein früheres Geschäftsjahr
Ein Habensaldo ist durch Korrekturen möglich, sollte aber nachvollziehbar sein.
Typische Fehler
Kontoführungsgebühren auf 2118 buchen
Diese gehören grundsätzlich in den Bereich 4970 Nebenkosten des Geldverkehrs.
Jeden kurzfristigen Zins auf 2118 buchen
2118 ist speziell für Kontokorrentkonten. Andere kurzfristige Finanzierung kann auf 2110 gehören.
Langfristige Darlehenszinsen auf 2118 buchen
Dafür ist 2120 Zinsaufwendungen für langfristige Verbindlichkeiten zu prüfen.
Negativen Banksaldo als Zinsaufwand buchen
Der negative Banksaldo ist eine Verbindlichkeit beziehungsweise Bankposition. Nur die darauf berechneten Zinsen gehören auf 2118.
Zinsertrag gegen Kontokorrentzinsen verrechnen
Zinserträge gehören beispielsweise auf 2650 Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge.
Vorsteuer aus Kontokorrentzinsen ziehen
Normale Kreditzinsen enthalten regelmäßig keine abzugsfähige 19-%-Vorsteuer.
§ 4 Abs. 4a EStG ignorieren
Bei Einzelunternehmen und Mitunternehmerschaften können Überentnahmen dazu führen, dass ein Teil der Schuldzinsen steuerlich nicht abzugsfähig ist. Dann ist 2113 zu prüfen.
Privat veranlasste Zinsen als Betriebsausgabe behandeln
Nur betrieblich veranlasste Finanzierungen gehören grundsätzlich in den betrieblichen Zinsaufwand.
Kreditprovisionen automatisch als Zins behandeln
Die wirtschaftliche Art der jeweiligen Bankposition muss geprüft werden.
Periodenabgrenzung ignorieren
Zinsen gehören wirtschaftlich in den Zeitraum, für den sie entstanden sind.
Zinsen an verbundene Unternehmen auf 2118 buchen
Hier kann 2119 Zinsaufwendungen für kurzfristige Verbindlichkeiten an verbundene Unternehmen das passendere Konto sein.
Verwandte Konten
- 0630 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten – Bankverbindlichkeiten
- 1200 Bank – Geschäftskonto beziehungsweise Belastung der Zinsen
- 1801 Privatentnahmen allgemein (nur Einzelunternehmen) – kann bei der steuerlichen Schuldzinsenprüfung relevant sein
- 2110 Zinsaufwendungen für kurzfristige Verbindlichkeiten – sonstige kurzfristige Schuldzinsen
- 2113 Nicht abzugsfähige Schuldzinsen nach § 4 Abs. 4a EStG (Hinzurechnungsbetrag) – steuerliche Hinzurechnung bei Überentnahmen
- 2119 Zinsaufwendungen für kurzfristige Verbindlichkeiten an verbundene Unternehmen – kurzfristige Zinsen an verbundene Unternehmen
- 2120 Zinsaufwendungen für langfristige Verbindlichkeiten – langfristige Finanzierungen
- 2650 Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge – Zinserträge
- 4970 Nebenkosten des Geldverkehrs – Kontoführungs- und andere Bankgebühren
Kurz zusammengefasst
Das Konto 2118 Zinsen auf Kontokorrentkonten erfasst betriebliche Soll- und Überziehungszinsen aus der Nutzung eines Kontokorrentkredits beziehungsweise eines negativen betrieblichen Bankkontos. Es handelt sich um ein Aufwandskonto mit normaler Sollseite und Abschluss über die GuV. Wichtig ist die Trennung zu allgemeinen kurzfristigen Zinsen auf 2110 Zinsaufwendungen für kurzfristige Verbindlichkeiten, langfristigen Zinsen auf 2120 Zinsaufwendungen für langfristige Verbindlichkeiten und Bankgebühren auf 4970 Nebenkosten des Geldverkehrs. Das Konto zeigt nur die Zinskosten und nicht die Höhe der eigentlichen Bankverbindlichkeit. Bei Einzelunternehmen und Mitunternehmerschaften kann zusätzlich § 4 Abs. 4a EStG zu einem steuerlich nicht abzugsfähigen Zinsanteil führen.
Kurzform: Geschäftskonto im Minus + Bank berechnet Soll- oder Überziehungszinsen = 2118 im Soll. Bankgebühren = 4970. Anderes kurzfristiges Darlehen = 2110. Steuerlich nicht abzugsfähiger Anteil = 2113 prüfen.