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SKR03 · KONTO 1700

Sonstige Verbindlichkeiten

Das Konto 1700 Sonstige Verbindlichkeiten erfasst betrieblich verursachte Verpflichtungen gegenüber Dritten, die keinem spezielleren Verbindlichkeitskonto zugeordnet werden können. Typische Fälle entstehen insbesondere bei bereits wirtschaftlich verursachten und der Höhe nach bekannten Verpflichtungen, die erst später bezahlt werden. Sonstige Verbindlichkeiten sind Passivposten und werden grundsätzlich im Haben gebucht.

Das Konto auf einen Blick

Kontoart
Passivkonto
Kategorie
Verbindlichkeiten
Normale Seite
Haben
Abschluss
SBK
Bilanz
Passivseite · Verbindlichkeiten
GuV
Nicht in der GuV

Einfach erklärt

Auf dem Konto 1700 Sonstige Verbindlichkeiten werden Schulden beziehungsweise Verpflichtungen des Unternehmens erfasst, für die kein spezielleres Verbindlichkeitskonto besser passt.

Das Unternehmen hat also eine Verpflichtung gegenüber einem Dritten, muss noch bezahlen und die Schuld ist wirtschaftlich bereits entstanden.

Typische Situationen können beispielsweise am Jahresende entstehen:

  • eine Leistung wurde bereits im alten Geschäftsjahr bezogen
  • der zu zahlende Betrag ist bekannt beziehungsweise ausreichend bestimmt
  • bezahlt wird aber erst im neuen Geschäftsjahr
  • für die Verpflichtung gibt es kein spezielleres Verbindlichkeitskonto

1700 ist damit ein Passivkonto.

Merksatz

Leistung beziehungsweise Verpflichtung ist bereits entstanden, Zahlung steht noch aus und kein spezielleres Verbindlichkeitskonto passt = 1700 prüfen.

Soll oder Haben?

Sonstige Verbindlichkeiten sind Schulden des Unternehmens.

Deshalb gilt grundsätzlich:

  • Verbindlichkeit entsteht oder erhöht sich → Haben
  • Verbindlichkeit wird bezahlt oder vermindert → Soll

Vereinfachte Grundbuchung

Wenn ein Aufwand wirtschaftlich bereits entstanden ist, aber noch bezahlt werden muss:

Aufwandskonto an 1700 Sonstige Verbindlichkeiten

Bei späterer Zahlung:

1700 Sonstige Verbindlichkeiten an 1200 Bank

Merksatz

Schuld entsteht = Haben. Schuld wird bezahlt = Soll.

Praxisbeispiel 1: Noch nicht abgebuchte Maut

Ein Unternehmen hat am 31. Dezember bereits Mautkosten verursacht.

Die Mautgebühren betragen:

800,00 €

Die Belastung des Bankkontos erfolgt allerdings erst im Januar des folgenden Jahres.

Der Aufwand gehört wirtschaftlich noch in das alte Geschäftsjahr.

Buchung zum 31. Dezember

4560 Mautgebühren 800,00 € an 1700 Sonstige Verbindlichkeiten 800,00 €

Damit wird der Aufwand im richtigen Geschäftsjahr erfasst und gleichzeitig die noch bestehende Schuld dargestellt.

Zahlung im neuen Jahr

Wird der Betrag im Januar vom Bankkonto abgebucht:

1700 Sonstige Verbindlichkeiten 800,00 € an 1200 Bank 800,00 €

Im neuen Jahr entsteht dadurch kein neuer Mautaufwand.

Die Zahlung beseitigt lediglich die bereits bestehende Verbindlichkeit.

Merksatz

Aufwand gehört ins alte Jahr, Zahlung kommt im neuen Jahr = sonstige Verbindlichkeit kann die zeitliche Zuordnung sichern.

Warum wird bei der Zahlung kein Aufwand mehr gebucht?

Der Aufwand wurde bereits bei Entstehung der Verbindlichkeit berücksichtigt.

31. Dezember

Aufwand entsteht:

4560 Mautgebühren an 1700 Sonstige Verbindlichkeiten

Januar

Schuld wird bezahlt:

1700 Sonstige Verbindlichkeiten an 1200 Bank

Würde man im Januar nochmals den Aufwand buchen, wäre derselbe Geschäftsvorfall zweimal in der GuV enthalten.

Merksatz

Verbindlichkeit buchen = Aufwand bereits erfasst. Verbindlichkeit bezahlen = nur noch Schuld ausgleichen.

Praxisbeispiel 2: Aufwand gehört ins alte Geschäftsjahr

Ein Unternehmen hat im Dezember eine betriebliche Leistung erhalten.

Der Aufwand beträgt:

2.000,00 €

Die Verpflichtung ist zum Bilanzstichtag bereits entstanden.

Die Zahlung erfolgt jedoch erst im Januar.

Wenn kein spezielleres Verbindlichkeitskonto zutreffender ist, kann zum Jahresabschluss beispielsweise gebucht werden:

Aufwandskonto 2.000,00 € an 1700 Sonstige Verbindlichkeiten 2.000,00 €

Bei späterer Zahlung:

1700 Sonstige Verbindlichkeiten 2.000,00 € an 1200 Bank 2.000,00 €

Damit wird der Aufwand periodengerecht dem alten Geschäftsjahr zugeordnet.

Sonstige Verbindlichkeit oder 1600 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen?

Diese Abgrenzung ist besonders wichtig.

1600 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

wird typischerweise verwendet, wenn ein Unternehmen eine normale Lieferantenrechnung aus seinem gewöhnlichen Waren- oder Leistungsverkehr erhält.

1700 Sonstige Verbindlichkeiten

wird verwendet, wenn eine Verpflichtung besteht, die nicht besser als normale Verbindlichkeit aus Lieferungen und Leistungen oder auf einem anderen speziellen Verbindlichkeitskonto abgebildet werden kann.

Beispiel normale Lieferantenrechnung

Ein Unternehmen erhält eine Reparaturrechnung über:

1.000,00 € netto + 190,00 € Umsatzsteuer

Die Rechnung wird auf Ziel gekauft.

Dann ist regelmäßig:

Reparaturaufwand 1.000,00 € 1576 Abziehbare Vorsteuer 19 % 190,00 € an 1600 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.190,00 €

passender als 1700.

Merksatz

Normale offene Lieferantenrechnung = 1600 beziehungsweise Kreditor prüfen. Sonstige Schuld ohne spezielleres Verbindlichkeitskonto = 1700 prüfen.

1700 ist kein Ersatz für die Kreditorenbuchhaltung

Ein Unternehmen sollte nicht sämtliche unbezahlten Eingangsrechnungen einfach auf 1700 buchen.

Für den normalen Lieferantenverkehr gibt es:

1600 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

beziehungsweise die entsprechenden Kreditorenkonten.

Das ermöglicht unter anderem:

  • offene Rechnungen je Lieferant
  • Zahlungsziele
  • Mahnungen
  • OPOS-Auswertungen
  • Abstimmung des Kreditoren-Nebenbuchs

1700 dient dagegen den sonstigen Verbindlichkeiten.

Merksatz

1700 ist kein Sammelkonto für jede noch unbezahlte Rechnung.

Sonstige Verbindlichkeit oder Rückstellung?

Das ist eine der wichtigsten Abgrenzungen überhaupt.

Verbindlichkeit

Bei einer Verbindlichkeit besteht bereits eine konkrete Verpflichtung gegenüber einem Dritten.

Grund und Höhe der Verpflichtung sind hinreichend bestimmt beziehungsweise bekannt.

→ Verbindlichkeit

Rückstellung

Bei einer Rückstellung besteht dagegen typischerweise eine Verpflichtung, deren Bestehen oder Höhe noch ungewiss ist, oder ein anderer gesetzlich geregelter Rückstellungssachverhalt.

→ beispielsweise 0970 Sonstige Rückstellungen prüfen

Beispiel Verbindlichkeit

Bereits verursachte Mautgebühr:

800,00 €

Der Betrag steht fest und muss bezahlt werden.

→ 1700 kann passen

Beispiel Rückstellung

Ein Unternehmen erwartet aufgrund eines bereits eingetretenen Sachverhalts eine Verpflichtung, deren genaue Höhe zum Bilanzstichtag noch nicht feststeht.

→ Rückstellung prüfen

Merksatz

Schuld konkret = Verbindlichkeit. Verpflichtung noch ungewiss = Rückstellung prüfen.

Eine Rechnung ist nicht zwingend Voraussetzung dafür, dass bereits eine Verbindlichkeit besteht

Für die Bilanzierung ist entscheidend, ob die wirtschaftliche Verpflichtung zum Abschlussstichtag bereits entstanden ist.

Eine noch fehlende Rechnung bedeutet deshalb nicht automatisch:

„Dann gibt es auch noch keine Schuld.“

Beispiel

Eine betriebliche Leistung wurde im Dezember vollständig erbracht.

Das Unternehmen ist zur Zahlung verpflichtet.

Die Rechnung trifft jedoch erst Anfang Januar ein.

Dann kann die Schuld wirtschaftlich bereits zum 31. Dezember bestehen.

Allerdings müssen insbesondere die umsatzsteuerlichen Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug gesondert geprüft werden.

Fehlende Rechnung und Vorsteuer

Ein häufiger Fehler besteht darin, bei einer Jahresabschlussbuchung ohne vorliegende Rechnung einfach normale Vorsteuer auf 1576 Abziehbare Vorsteuer 19 % zu buchen.

Für den normalen Vorsteuerabzug ist grundsätzlich eine entsprechende Rechnung erforderlich.

Ist der Aufwand wirtschaftlich dem alten Jahr zuzuordnen, die für den Vorsteuerabzug erforderliche Rechnung liegt aber erst später vor, muss Aufwand und Vorsteuer zeitlich korrekt getrennt behandelt werden.

Dafür enthält der SKR03 beispielsweise:

1548 Vorsteuer in Folgeperiode/im Folgejahr abziehbar

Vereinfachter Gedanke

Aufwand gehört ins alte Jahr. Vorsteuer darf möglicherweise erst im Folgejahr abgezogen werden.

Merksatz

Fehlende Rechnung = Vorsteuer nicht einfach vorziehen.

1700 oder 0970 Sonstige Rückstellungen?

1700

  • konkrete Schuld
  • Gläubiger beziehungsweise Verpflichtung grundsätzlich bekannt
  • Betrag bekannt oder hinreichend bestimmt
  • Zahlung steht noch aus

0970 Sonstige Rückstellungen

  • Verpflichtung ist ungewiss
  • Höhe oder Bestehen kann unsicher sein
  • gesetzliche Rückstellungsvoraussetzungen müssen erfüllt sein

Beispiel

Am 31. Dezember sind exakt 800,00 € Maut entstanden.

→ 1700

Das Unternehmen erwartet dagegen eine Verpflichtung, deren konkrete Höhe erst später ermittelt werden kann.

→ Rückstellung prüfen

1700 oder 0980 Aktive Rechnungsabgrenzung?

Auch diese beiden Sachverhalte dürfen nicht verwechselt werden.

1700 Sonstige Verbindlichkeiten

Die Leistung beziehungsweise der Aufwand gehört bereits in die abgelaufene Periode, bezahlt wird aber später.

0980 Aktive Rechnungsabgrenzung

Das Unternehmen hat bereits bezahlt, aber der Aufwand gehört ganz oder teilweise in eine spätere Periode.

Beispiel sonstige Verbindlichkeit

Leistung im Dezember erhalten.

Zahlung im Januar.

→ Schuld am 31. Dezember

Beispiel aktive Rechnungsabgrenzung

Versicherungsbeitrag wird im Dezember im Voraus für das kommende Jahr bezahlt.

→ 0980 Aktive Rechnungsabgrenzung prüfen

Merksatz

Aufwand schon entstanden, Zahlung später = Verbindlichkeit. Zahlung schon erfolgt, Aufwand später = aktive Rechnungsabgrenzung.

1700 oder passive Rechnungsabgrenzung?

Eine passive Rechnungsabgrenzung betrifft einen anderen Fall.

Dort hat das Unternehmen bereits Geld erhalten, obwohl der dazugehörige Ertrag wirtschaftlich erst nach dem Bilanzstichtag entsteht.

Das hat mit einer offenen Schuld auf 1700 grundsätzlich nichts zu tun.

Merksatz

1700 betrifft eine Schuld. Passive Rechnungsabgrenzung betrifft bereits erhaltenes Geld für zukünftigen Ertrag.

Restlaufzeiten bei sonstigen Verbindlichkeiten

DATEV enthält neben dem allgemeinen Konto 1700 auch spezielle Konten nach Restlaufzeit:

  • 1701 Sonstige Verbindlichkeiten - Restlaufzeit bis 1 Jahr
  • 1702 Sonstige Verbindlichkeiten - Restlaufzeit 1 bis 5 Jahre
  • 1703 Sonstige Verbindlichkeiten - Restlaufzeit größer 5 Jahre

Die Restlaufzeit beschreibt, wann die Verpflichtung voraussichtlich beziehungsweise vertraglich fällig wird.

Beispiel

Sonstige Verbindlichkeit:

10.000,00 €

Fälligkeit in sechs Monaten:

→ 1701 Sonstige Verbindlichkeiten - Restlaufzeit bis 1 Jahr kann für eine entsprechende differenzierte Darstellung verwendet werden.

Fälligkeit in drei Jahren:

→ 1702 Sonstige Verbindlichkeiten - Restlaufzeit 1 bis 5 Jahre

Fälligkeit in sieben Jahren:

→ 1703 Sonstige Verbindlichkeiten - Restlaufzeit größer 5 Jahre

Merksatz

1700 = allgemein. 1701 bis 1703 = Aufteilung nach Restlaufzeit.

Warum sind Restlaufzeiten wichtig?

Zwei Unternehmen können denselben Gesamtbetrag an Verbindlichkeiten besitzen und trotzdem finanziell völlig unterschiedlich dastehen.

Unternehmen A

100.000 € Verbindlichkeiten, davon fast alles in zwei Monaten fällig.

Unternehmen B

100.000 € Verbindlichkeiten, davon ein großer Teil erst in mehreren Jahren fällig.

Die Liquiditätsbelastung ist offensichtlich unterschiedlich.

Deshalb sind Restlaufzeiten für Bilanzanalyse, Liquiditätsplanung und Jahresabschluss wichtig.

1700 oder 1705 Darlehen?

Erhält ein Unternehmen ein Darlehen, besteht zwar ebenfalls eine Verbindlichkeit.

Dafür gibt es aber ein spezielleres Konto:

1705 Darlehen

Beispiel

Ein Unternehmen erhält ein Darlehen über:

50.000,00 €

Geldeingang:

1200 Bank 50.000,00 € an 1705 Darlehen 50.000,00 €

Nicht:

Bank an 1700, nur weil es sich allgemein um eine Schuld handelt.

Merksatz

Darlehen = 1705 prüfen. 1700 erst dann, wenn kein spezielleres Verbindlichkeitskonto passt.

1700 oder 0630 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten?

Auch Bankschulden besitzen einen eigenen Bereich.

Besteht die Verpflichtung gegenüber einem Kreditinstitut, kann 0630 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten beziehungsweise eines der zugehörigen Restlaufzeitkonten einschlägig sein.

1700 ist daher nicht das Standardkonto für Bankkredite.

1700 oder Verbindlichkeiten aus Steuern und Abgaben?

Für Steuern und Abgaben existieren spezielle Konten.

Im SKR03 beispielsweise:

1736 Verbindlichkeiten aus Steuern und Abgaben

mit weiteren Restlaufzeitkonten.

Auch Umsatzsteuer, Lohnsteuer und ähnliche steuerliche Verpflichtungen besitzen teilweise noch speziellere Konten.

Merksatz

Steuerschuld = Steuerkonto beziehungsweise 1736 prüfen, nicht automatisch 1700.

1700 oder Lohn- und Gehaltsverbindlichkeiten?

Noch nicht ausgezahlte Löhne und Gehälter besitzen im SKR03 ebenfalls ein spezielles Konto:

1740 Verbindlichkeiten aus Lohn und Gehalt

Ebenso existieren spezielle Konten für:

Diese sollten gegenüber dem allgemeinen Konto 1700 bevorzugt werden, wenn sie den Sachverhalt korrekt beschreiben.

1700 oder erhaltene Kaution?

Erhält ein Unternehmen eine rückzahlbare Kaution, entsteht ebenfalls eine Verpflichtung gegenüber demjenigen, der die Kaution gezahlt hat.

Dafür gibt es jedoch:

1732 Erhaltene Kautionen

sowie entsprechende Restlaufzeitkonten.

Deshalb sollte eine erhaltene Kaution nicht pauschal auf 1700 gebucht werden.

1700 oder erhaltene Anzahlung?

Eine erhaltene Kundenanzahlung ist ebenfalls eine Verpflichtung, solange die vereinbarte Lieferung oder Leistung noch nicht vollständig erbracht wurde.

Im SKR03 existieren dafür jedoch eigene Konten im Bereich der erhaltenen Anzahlungen, beispielsweise:

1710 Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen (Verbindlichkeiten)

beziehungsweise entsprechende umsatzsteuerlich differenzierte Konten.

Merksatz

Erhaltene Anzahlung = Anzahlungsbereich. Nicht einfach 1700 verwenden.

1700 oder Kreditkartenabrechnung?

Für Kreditkartenabrechnungen existiert im SKR03 mit:

1730 Kreditkartenabrechnung

ebenfalls ein spezielles Konto.

Wenn dieses den Sachverhalt korrekt beschreibt, ist es gegenüber dem allgemeinen Konto 1700 aussagekräftiger.

Sonstige Verbindlichkeiten im Jahresabschluss

Nach § 266 HGB gehören sonstige Verbindlichkeiten auf die Passivseite der Bilanz in den Bereich der Verbindlichkeiten.

Der Bilanzposten steht neben anderen Verbindlichkeitsarten wie:

  • Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten
  • erhaltenen Anzahlungen
  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
  • Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen
  • sonstigen Verbindlichkeiten

Damit zeigt 1700 nicht einen Aufwand oder Ertrag, sondern eine am Bilanzstichtag noch bestehende Schuld.

Steuern und soziale Sicherheit innerhalb der sonstigen Verbindlichkeiten

Der handelsrechtliche Bilanzposten „sonstige Verbindlichkeiten“ enthält nach § 266 HGB insbesondere auch Davon-Vermerke für:

  • Verbindlichkeiten aus Steuern
  • Verbindlichkeiten im Rahmen der sozialen Sicherheit

Im SKR03 werden diese Sachverhalte durch spezielle Konten differenziert, beispielsweise 1736 Verbindlichkeiten aus Steuern und Abgaben und 1742 Verbindlichkeiten im Rahmen der sozialen Sicherheit.

Das zeigt einen wichtigen Grundsatz des Kontenrahmens:

Der Bilanzposten kann breit sein, während die Buchhaltung darunter mehrere spezialisierte Konten verwendet.

Sonstige Verbindlichkeit ist kein Aufwand

1700 ist ein Passivkonto und kein Aufwandskonto.

Beispiel

Zum Jahresende wird gebucht:

Aufwand 2.000,00 € an 1700 Sonstige Verbindlichkeiten 2.000,00 €

Der Aufwand entsteht auf dem Aufwandskonto.

1700 zeigt lediglich:

Das Unternehmen schuldet noch 2.000,00 €.

Bei der Zahlung:

1700 2.000,00 € an 1200 Bank 2.000,00 €

entsteht kein weiterer Aufwand.

Merksatz

Das Aufwandskonto verändert den Gewinn. 1700 zeigt die noch offene Schuld.

Sonstige Verbindlichkeit ist auch kein negativer Bankbestand

Eine Verbindlichkeit wird nicht dadurch zum Bankkonto, dass sie später überwiesen wird.

Bis zur Zahlung stehen nebeneinander:

  • eine Schuld auf 1700
  • vorhandenes Bankguthaben auf 1200 Bank

Erst die Zahlung reduziert beide Positionen.

Zahlung einer sonstigen Verbindlichkeit

Ausgangssituation

Saldo 1700:

5.000,00 € Haben

Das bedeutet:

Das Unternehmen schuldet noch 5.000,00 €.

Zahlung

1700 Sonstige Verbindlichkeiten 5.000,00 € an 1200 Bank 5.000,00 €

Danach ist die entsprechende Verbindlichkeit ausgeglichen.

Teilzahlung

Eine sonstige Verbindlichkeit kann auch nur teilweise bezahlt werden.

Beispiel

Verbindlichkeit:

10.000,00 €

Teilzahlung:

4.000,00 €

Buchung

1700 Sonstige Verbindlichkeiten 4.000,00 € an 1200 Bank 4.000,00 €

Verbleibender Habensaldo:

6.000,00 €

Dieser Restbetrag zeigt weiterhin die offene Verpflichtung.

Erlass einer sonstigen Verbindlichkeit

Verzichtet der Gläubiger später ganz oder teilweise auf seine Forderung, darf die Verbindlichkeit nicht einfach gegen Bank ausgebucht werden, denn es findet keine Zahlung statt.

Stattdessen muss geprüft werden, welcher Ertrag beziehungsweise welche Korrektur aus dem Erlass entsteht.

Die konkrete Gegenbuchung hängt vom ursprünglichen Sachverhalt und den steuerlichen Umständen ab.

Merksatz

Verbindlichkeit verschwindet ohne Zahlung = Gegenkonto prüfen, nicht einfach Bank verwenden.

Gutschrift oder nachträgliche Minderung

Auch eine ursprünglich bestehende sonstige Verbindlichkeit kann später geringer werden.

Beispielsweise durch:

  • Korrektur
  • Gutschrift
  • Preisnachlass
  • teilweise Aufhebung der Verpflichtung

Dann wird der entsprechende Teil der Verbindlichkeit im Soll ausgebucht.

Das Gegenkonto richtet sich danach, wodurch die Minderung entstanden ist.

Fremdwährungsverbindlichkeiten

Eine sonstige Verbindlichkeit kann auch in einer Fremdwährung bestehen.

Dann muss die Verpflichtung zunächst ordnungsgemäß in Euro bewertet und gegebenenfalls zum Bilanzstichtag nach den geltenden Bewertungsregeln neu bewertet werden.

Währungskursänderungen können dadurch zusätzliche Aufwendungen oder Erträge auslösen.

1700 selbst zeigt weiterhin die Verpflichtung; Kursdifferenzen werden auf den jeweils passenden Aufwands- beziehungsweise Ertragskonten erfasst.

EÜR und 1700

Bei einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung gilt grundsätzlich das Zufluss- und Abflussprinzip, sodass klassische bilanzielle Verbindlichkeiten eine andere Bedeutung haben als bei einer Bilanzierung.

DATEV enthält für besondere EÜR-Sachverhalte zusätzlich:

1704 Sonstige Verbindlichkeiten nach § 11 Abs. 2 Satz 2 EStG für § 4 Abs. 3 EStG

Dieses Konto betrifft insbesondere die besonderen Regeln für regelmäßig wiederkehrende Ausgaben rund um den Jahreswechsel und darf nicht mit dem normalen Bilanzkonto 1700 gleichgesetzt werden.

Merksatz

Bilanz und EÜR folgen unterschiedlichen Periodisierungsregeln. 1704 ist ein spezielles EÜR-Konto.

Was wird typischerweise auf Konto 1700 gebucht?

Typische Fälle können insbesondere sein:

  • sonstige bereits entstandene Zahlungsverpflichtungen
  • am Abschlussstichtag bestehende Schulden ohne passenderes Spezialkonto
  • periodengerechte Abgrenzung bereits verursachter, der Höhe nach bestimmter Aufwendungen
  • noch nicht abgebuchte beziehungsweise noch nicht bezahlte Beträge, soweit kein spezielleres Verbindlichkeitskonto passt
  • entsprechende Korrekturen und Teilzahlungen

Ein in der Praxis dokumentiertes Beispiel sind bereits entstandene, aber erst im Folgejahr abgebuchte Mautgebühren.

Was gehört typischerweise nicht auf Konto 1700?

Nicht automatisch auf 1700 gehören beispielsweise:

Kontoart und Abschluss

Kontonummer: 1700 Kontenbezeichnung: Sonstige Verbindlichkeiten Kontenart: Passivkonto / Verbindlichkeitskonto Kontenklasse: 1 Bereich: Fremdkapital / sonstige Verbindlichkeiten Normale Kontoseite: Haben Entstehung beziehungsweise Erhöhung der Verbindlichkeit: Haben Tilgung beziehungsweise Verminderung: Soll Abschluss: über das Schlussbilanzkonto Bilanz: Passivseite · Verbindlichkeiten · sonstige Verbindlichkeiten GuV: 1700 selbst ist kein Aufwands- oder Ertragskonto

Was zeigt der Saldo des Kontos?

Der typische Habensaldo von 1700 zeigt, wie hoch die zum jeweiligen Zeitpunkt noch bestehenden sonstigen Verpflichtungen des Unternehmens sind, soweit sie auf diesem Konto erfasst wurden.

Beispiel

Anfangsbestand:

0,00 €

Neue sonstige Verbindlichkeit:

8.000,00 € Haben

Teilzahlung:

3.000,00 € Soll

Verbleibender Saldo:

5.000,00 € Haben

Das bedeutet:

Das Unternehmen schuldet weiterhin 5.000,00 €.

Warum ein Sollsaldo auffällig wäre

1700 ist ein Passivkonto und besitzt normalerweise einen Habensaldo.

Ein dauerhafter Sollsaldo sollte deshalb geprüft werden.

Mögliche Ursachen können sein:

  • Verbindlichkeit wurde doppelt bezahlt
  • Zahlung wurde auf das falsche Konto gebucht
  • eine Gutschrift wurde falsch behandelt
  • eigentlich liegt eine Forderung beziehungsweise ein sonstiger Vermögensgegenstand vor
  • falsche Eröffnungsbuchung

Ein Sollsaldo ist nicht automatisch unmöglich, aber er sollte bei einem typischen Verbindlichkeitskonto erklärbar sein.

Typische Fehler

Jede offene Rechnung auf 1700 buchen

Normale Lieferantenrechnungen gehören regelmäßig auf 1600 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen beziehungsweise auf das Kreditorenkonto.

1700 ist kein Ersatz für die Kreditorenbuchhaltung.

Sonstige Verbindlichkeit mit Rückstellung verwechseln

Ist eine Verpflichtung hinsichtlich Bestehen oder Höhe noch ungewiss, muss geprüft werden, ob eine Rückstellung wie 0970 Sonstige Rückstellungen erforderlich ist.

Aufwand erst bei Zahlung buchen

Bei bilanzierenden Unternehmen kann der Aufwand bereits vor der Zahlung wirtschaftlich entstanden sein.

Würde erst im Folgejahr bei Zahlung gebucht, könnte der Aufwand im falschen Geschäftsjahr landen.

Aufwand zweimal buchen

Wurde beim Jahresabschluss bereits:

Aufwand an 1700

gebucht, darf bei der späteren Zahlung nicht nochmals derselbe Aufwand entstehen.

Richtig ist dann:

1700 an 1200 Bank

Fehlende Rechnung = keine Verbindlichkeit annehmen

Eine konkrete Verpflichtung kann bereits bestehen, obwohl die Rechnung noch nicht eingetroffen ist.

Rechnungsvorlage und Entstehung der wirtschaftlichen Schuld sind nicht zwingend derselbe Zeitpunkt.

Vorsteuer ohne Rechnung vorziehen

Liegt die für den Vorsteuerabzug erforderliche Rechnung noch nicht vor, darf normale Vorsteuer nicht einfach auf 1576 gebucht werden.

Gegebenenfalls ist 1548 Vorsteuer in Folgeperiode/im Folgejahr abziehbar zu prüfen.

Darlehen auf 1700 buchen

Für Darlehen existiert 1705 Darlehen beziehungsweise bei Kreditinstituten ein eigener Verbindlichkeitsbereich.

Steuerschulden auf 1700 sammeln

Für Steuern und Abgaben existiert 1736 Verbindlichkeiten aus Steuern und Abgaben sowie weitere spezielle Steuerkonten.

Löhne und Sozialversicherung auf 1700 buchen

Dafür gibt es insbesondere 1740, 1741 und 1742.

Erhaltene Kaution auf 1700 buchen

Hierfür existiert 1732 Erhaltene Kautionen.

Erhaltene Kundenanzahlung auf 1700 buchen

Erhaltene Anzahlungen besitzen eigene Konten und können zusätzlich besondere umsatzsteuerliche Folgen haben.

Restlaufzeiten ignorieren

Bei Jahresabschluss und Bilanzausweis kann die Aufteilung nach Restlaufzeit wichtig sein. Dafür stehen 1701, 1702 und 1703 zur Verfügung.

Eine Verbindlichkeit gegen Bank ausbuchen, obwohl gar nicht bezahlt wurde

Wird eine Schuld erlassen oder korrigiert, ist Bank nicht das richtige Gegenkonto. Die Ursache der Ausbuchung entscheidet über die Gegenbuchung.

1700 als allgemeines Sammelkonto verwenden

Ein hoher, ungeklärter Saldo auf 1700 kann die Jahresabschlussprüfung unnötig erschweren.

Jede größere Position sollte nachvollziehbar dokumentiert und auf ein spezielleres Konto geprüft werden.

Abstimmung des Kontos 1700

Zum Jahresabschluss sollte der Saldo von 1700 anhand der zugrunde liegenden Verpflichtungen abgestimmt werden.

Sinnvoll ist beispielsweise eine Liste mit:

  • Gläubiger
  • Grund der Verpflichtung
  • Betrag
  • Entstehungsdatum
  • Fälligkeit
  • Restlaufzeit
  • erwarteter Zahlungstermin
  • Beleg beziehungsweise Dokumentation

Die Summe dieser Einzelpositionen sollte mit dem Saldo des Kontos 1700 übereinstimmen.

Merksatz

Jede Zahl auf 1700 sollte am Jahresende eine konkrete Erklärung haben.

Verwandte Konten

Kurz zusammengefasst

Das Konto 1700 Sonstige Verbindlichkeiten erfasst bereits bestehende Verpflichtungen des Unternehmens gegenüber Dritten, soweit kein spezielleres Verbindlichkeitskonto besser passt. Sonstige Verbindlichkeiten sind Fremdkapital und werden grundsätzlich im Haben gebucht. Bei ihrer späteren Zahlung wird 1700 im Soll gegen Bank ausgebucht. Besonders wichtig ist die Abgrenzung zu normalen Lieferantenverbindlichkeiten auf 1600 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, zu Darlehen, Steuer- und Lohnverbindlichkeiten sowie zu Rückstellungen. Für eine genauere Darstellung nach Restlaufzeiten stehen 1701, 1702 und 1703 zur Verfügung.

Kurzform: Konkrete Schuld besteht schon, Zahlung kommt später und kein spezielleres Verbindlichkeitskonto passt = 1700. Entstehung im Haben, Zahlung im Soll. Normale Lieferantenrechnung = 1600. Ungewisse Verpflichtung = Rückstellung prüfen.

QUELLEN & STAND

Fachliche Grundlagen

Zuletzt aktualisiert:

Die Quellen bilden die fachliche Grundlage des Artikels. Die Darstellung ist didaktisch vereinfacht und ersetzt keine steuerliche Beratung im Einzelfall.